» Kampf um das Studentenrecht

Reaktionen und politische Bündnisse an den Hochschulen

Der rechtsterroristische Mord an Walther Rathenau und das ›Berliner Abkommen‹ sind für die Entwicklung der Deutschen Studentenschaft wichtig, denn sie wirkten sich durch das Zusammengehen der linken Parteien im „Berliner Abkommen“ auch auf die Kombinations- und Bündnismöglichkeiten an den Hochschulen aus. In vielen Universitätsstädten wurden im Juli 1922 Kundgebungen und Demonstrationen organisiert, weitreichendere Bündnisse zwischen den politischen Hochschulgruppen der Studierenden wurden nun möglich. Auch die Dozenten und Professoren an den Hochschulen reagierten, zumindest ein Teil von ihnen. Die Hochschullehrer an der Universität Jena etwa riefen am 10. Juli zu einer Kundgebung gegen „politischen Mord und Gewalttat“ auf. Von den knapp 140 Professoren und Dozenten der Jenaer Universität unterschrieben insgesamt 19 diesen Aufruf, unter ihnen der Physiker Felix Auerbach (1856-1933), der Zoologe und Entwicklungsbiologe Julius Schaxel (1887-1943; SPD), der Marxist, Zivil-, Prozess- und Arbeitsrechtler Karl Korsch (1887-1961; KPD), der Sprachwissenschaftler Friedrich Slotty (1881-1963; DDP) und der Philosoph Paul Ferdinand Linke (1876-1955).

Bereits vor diesem Aufruf hatten sich Jenaer Studenten der Pazifistischen Studentengruppe, des Zentrums, der Kommunistischen Studentengruppe, der Sozialistischen Studentengruppe und der Akademisch-Demokratischen Arbeitsgemeinschaft am 1. Juli 1922 zum „Block republikanischer Studenten“ zusammengeschlossen. Gemeinsam organisierten sie gegen die zunehmende Rechtstendenz und Dominanz des Deutschen Hochschulrings an den Universitäten am 31. Juli und 1. August 1922 eine Reichskonferenz des „republikanischen Blocks“, zu der Vertreter von insgesamt 18 Universitäten und Hochschulen zusammenkamen. An dieser Konferenz nahmen die Studenten des Reichsbundes Deutscher Demokratischer Studenten (DDP), des Deutschen Pazifistischen Studentenbundes, des Sozialistischen Studentenbundes (SPD) und der Kommunistischen Studentenfraktionen „Kostufra“ (KPD) teil. Ein gemeinsames Aktionsprogramm scheiterte an der Forderung der kommunistischen Studentenfraktion, gemeinsame Kontrollausschüsse mit den Arbeiterorganisationen zu bilden, um auf eine Auflösung der militärischen Organisationen der rechten Studenten hinzuwirken. So kam es in Jena ohne die kommunistischen Studenten zur Gründung des Reichskartells Deutscher Republikanischer Studenten, das daraufhin seine Zentrale in München bezog.

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