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Sigmund Freud (1856-1939)

Sigmund Freud wurde am 6. Mai 1856 als Sohn des jüdischen Textilkaufmanns Jacob Freud und dessen zweiter Frau Amalia Freud, geb. Nathanson, in Freiberg (heute Pribor/Tschechien) geboren. Als Freud drei Jahre alt war, floh seine Familie wegen antisemitischer Ausschreitungen aus Freiberg nach Leipzig und ließ sich 1860 in Wien nieder.

Bis zu seinem Eintritt in das Gymnasium wurde Sigmund Freud von seinem Vater unterrichtet. Er bestand sein Matura mit Auszeichnung und begann 1873 sein Medizinstudium an der Wiener Universität. Ab 1877 arbeitete er im Wiener Physiologischen Institut unter der Leitung von Ernst Wilhelm von Brücke und untersuchte während seiner Forschungstätigkeit am Institut unter anderem das zentrale Nervensystem. 1879 hörte er die ersten psychiatrischen Vorlesungen bei Professor Meynert. Am 30. März 1881 promovierte er schließlich.  Von 1882 bis 1885 war er am Allgemeinen Krankenhaus in Wien angestellt, wo er an der  Entdeckung der schmerzstillenden Wirkung des Kokains beteiligt war.  Außerdem beschäftigte er sich mit den Themenfeldern Psychiatrie, Dermatologie und Nervenkrankheiten. Am 17. Juni 1882 verlobte er sich mit Martha Bernays, der Tochter einer Hamburger jüdischen Familie. Auf die Heirat mussten beiden jedoch vier Jahre warten, bis Freud genug verdiente, um eine Familie versorgen zu können. 1885 habilitierte er schließlich in Neuropathologie und wurde Privatdozent an der Wiener Universität. Im selben Jahr erhielt er ein staatliches Stipendium und reiste nach Paris, um dort an der Pariser Nervenklinik, der Salpêtrière, Jean-Martin Charcots Behandlungsmethoden für Hysterie zu studieren. Als Hysterie wurden im 19. Jahrhundert seelische Erkrankungen von Frauen bezeichnet, die keine organischen Ursachen aufwiesen.

Am 14. September 1886 heiratete Freud seine Verlobte Martha Bernays. Im selben Jahr eröffnete er seine erste Privatpraxis in Wien. Zunächst behandelte er seine Patienten mit Hilfe der Hypnose. Schon bald wendete er die „Kathartische Methode“ an, die von seinem Freund Josef Breuer entwickelt wurde. 1891 zog er in die Berggasse 19, wo er die nächsten 35 Jahre praktizieren sollte. Zusammen mit Breuer veröffentlichte er 1893 einen Aufsatz „Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene“. Zwei Jahre darauf, nachdem er bereits mit Breuer gebrochen hat, erscheint ihre noch gemeinsam verfasste Schrift „Studien über die Hysterie“. Darin stellen beide die Methode der freien Assoziation vor. Die Wissenschaftler meinten, dass seelische Erkrankungen durch verdrängte traumatische Erfahrungen verursacht werden. Der Arzt sollte in der Therapie die spontanen Äußerungen der Patienten deuten, um so auf ihre verborgenen Ängste zu schließen und dadurch die Neurosen zu heilen. Im Jahr 1899 erschien schließlich die „Traumdeutung“ (datiert 1900). Hier führte Freud die grundlegenden Begriffe der Psychoanalyse ein. Im Jahr  1902 wurde Sigmund Freud zum Außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt und in seiner Wohnungen wurde im Rahmen der „Psychologischen Mittwochs-Vereinigung“ regelmäßig über die neue Methode der Psychoanalyse diskutiert. Freud veröffentlichte in den nächsten Jahren einige Schriften, in denen er seine Theorien weiterentwickelte und auf andere Gebiete anwendete. In seinem Werk „Psychopathologie des Alltagslebens“ (1904) beschäftigte sich Freud zum Beispiel mit der Bedeutung von Fehlleistungen, wie Versprechern und Vergesslichkeit. 1905 erschienen „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“, in denen Freud bereits dem Kleinkind erotische Impulse unterstellte.

Ab 1908 fanden regelmäßig Internationale Psychoanalytische Kongresse statt und ein Jahr später erhielt Sigmund Freud die Ehrendoktorwürde der Clark University/USA. 1910 wurden sowohl des „Zentralblatt der Psychoanalyse“ und die „internationale Psychoanalytische Vereinigung“ gegründet. Die Psychoanalyse etablierte sich in den nächsten Jahren langsam als anerkannte Behandlungsmethode, aber Freuds Thesen wurden immer wieder kritisiert; nicht nur von den Gegnern der Psychoanalyse an sich, sondern auch von ehemaligen Weggefährten, die andere psychoanalytische Theorien entwickelten, wie z.B. Carl Gustav Jung. Freud selbst überarbeitete seine Hypothesen allerdings auch selbst immer wieder.

Im Alter von 68 Jahren wurde bei Freud Krebs diagnostiziert. Er musste sich bis zu seinem Tod 33 Operationen zu unterziehen. 1930 erhielt Freud den Goethepreis der Stadt Frankfurt/Main, den seine Tochter Anna entgegen nahm. Antisemitische Organisationen protestierten gegen die Preisverleihung an einen jüdischen Wissenschaftler. Am 10. Mai 1933 wurden Freuds Schriften von den Nationalsozialisten in Berlin verbrannt. Die Psychoanalyse wurde von ihnen als „jüdische Wissenschaft“ bezeichnet, da die führenden Vertreter Juden waren. Aber die Psychoanalyse wurde auch auf Grund ihres Inhaltes abgelehnt. Die Nationalsozialisten meinten, dass sie die Volksgemeinschaft untergrub, auf das Individuum und die Sexualität ausgerichtet war. Die Ablehnung der Psychoanalyse und Freuds wird im vierten Feuerspruch deutlich: „Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.“

Drei Jahre später ernannte ihn die British Royal Society of Medicine zum Ehrenmitglied. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 ging Freud am 3. Juni ins Exil nach London, wo er am 23. September 1939 starb.

von Nadine Kupfer

Literatur

Gay, Peter: Freud. Eine Biographie für unsere Zeit. S. Fischer Verlag GmbH. Frankfurt am Main. 1989. (Originalausgabe: Gay, Peter: Freud; A life for Our Time. Verlag W. W. Norton & Co. New York. 1987.)

Markus, Georg: Sigmund Freud. Und das Geheimnis der Seele. Die Biographie. 2. Auflage. Wiener Verlag. Himberg bei Wien. 1989.

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/FreudSigmund/index.html (30.5.2007)

Interview mit Prof. Stephen Frosch. „Psychoanalyse als jüdische Wissenschaft?“ In: http://www.nunu.at/de/artikel/359 (2.7.2007)

Wichtige Veröffentlichungen

Studie „Über Coca“ (1887)

Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene (1893) zusammen mit Josef Breuer

Entwurf einer Psychologie (1895) Manuskript; gemeinsam mit Josef Breuer

Studien über Hysterie (1895)

Aufsatz Zur Ätiologie der Hysterie (Erste Verwendung des Begriffes „Psychoanalyse“) (1896)

Die Traumdeutung (1899)

Zur Pathologie des Alltagslebens (1904)

Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1904/05)

Streitschrift Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung (1914)

Essay Zeitgemäßes über Krieg und Tod (1915)

Trauer und Melancholie (1916)

Jenseits des Lustprinzips (1919)

Falldarstellung Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher

Homosexualität (1920)

Massenpsychologie und Ich-Analyse (1921)

Das Ich und das Es (1923)

Selbstdarstellung (1925)

Die Zukunft einer Illusion (1927)

Das Unbehagen in der Kultur (1930)

Warum Krieg?; Briefwechsel mit Albert Einstein (1933)

Der Mann Moses und die monotheistische Religion (1939)