"Verfemt und Verboten. Vorgeschichte und Folgen der Bücherverbrennungen 1933"
Zwei Jahre nach Erscheinen der "Orte der Bücherverbrennungen 1933" erschien beim Olms-Verlag der zweite Begleitband "Verfemt und Verboten. Vorgeschichte und Folgen der Bücherverbrennungen 1933". Die 20 Beiträge von 21 Autorinnen und Autoren (aus den Geschichts-, Literatur-, Sozial-, Politik-, Natur- und Sportwissenschaften) zeichnen ein umfassendes und detailliertes Panorama, das die Herausgeber (Julius H. Schoeps und Werner Treß) in drei Bereiche geteilt haben. Der erste befasst sich mit einer historischen Kontextualisierung, sei es im Rekurs auf einzelne Akteure und Institutionen und ihrer Aktivitäten im Kontext der Bücherverbrennungen oder auf von Indizierungen, Verfolgungen und Bücherverbrennungen Betroffenen. Dabei wird das Ausmaß gesamtgesellschaftlicher Verstrickungen und der historischen Kontinuitäten deutlich, die ihnen zugrunde liegen. Der zweite Abschnitt widmet sich "verfolgten Literaturen", bezieht die nationalsozialistische Indizierungspraxis ein, umreißt die bis heute nachwirkenden Schäden und Verluste und wirft Schlaglichter auf einzelne betroffene Werke, Autoren und Literaturen. Ein dritter Abschnitt nimmt das Gedenken an die Verbrennungen um den 10. Mai 1933 in den Blick.
Orte der Bücherverbrennungen in Deutschland 1933
Rechtzeitig mit dem Erscheinen der ersten 10 Bände der Bibliothek verbrannter Bücher ist im Olms Verlag der Begleitband Orte der Bücherverbrennungen in Deutschland 1933 erschienen. Die beiden Herausgeber, Julius H. Schoeps und Werner Treß - Historiker am Moses Mendelssohn Zentrum, legen damit ein Buch vor, in dem erstmalig die Bücherverbrennungen von 1933 in ihrer deutschlandweiten Dimension dokumentiert werden. In den insgesamt 60 Einzelbeiträgen zu den unterschiedlichen Orten werden die jeweiligen universitäts-, regional- und stadtgeschichtlichen Kontexte miteinbezogen.
Dadurch ergibt sich ein neues Bild für die Forschung: Denn anhand der Bücherverbrennungen kann exemplarisch gezeigt werden, "wie 1933 die Machtdurchsetzung des Nationalsozialismus von der zentralstaatlichen auf die kommunale Ebene erfolgte. Die Bücherverbrennungen waren nicht nur temporäre Massenevents, sondern stets das Resultat dessen, was sich in den Wochen und Monaten zuvor in den Städten Deutschlands zugetragen hatte. Plünderungen oppositioneller Parteigebäude, Razzien und Verhaftungen in Privatwohnungen, Säuberungen von Leihbüchereien und Buchhandlungen", so Schoeps und Treß in ihrem Vorwort.
Hans Keilson überreicht Berliner und Potsdamer Schülern die ersten 10 Bände der Bibliothek verbrannter Bücher
Am Freitag, den 9. Mai, war es endlich soweit. Im Zeughaus des Deutschen Historischen Museums, nur wenige Meter vom Bebelplatz entfernt, wo knapp 75 Jahre zuvor Tausende von Büchern verbrannt worden waren, präsentierte das Moses Mendelssohn Zentrum und der Olms Verlag die ersten zehn Bände der Bibliothek verbrannter Bücher. Der Schriftsteller, Arzt und Psychoanalytiker, Hans Keilson, dessen erster Roman Das Leben geht weiter ebenso von den Nazis verboten wurde, übergab sie Schülern des Berliner Hoepner-Gymnasiums und des Potsdamer Einstein-Gymnasiums. "Berlin ist mir eine vertraute Stadt und mein Hass über das, was geschehen ist für mich oder meine Eltern, die in Auschwitz umgekommen sind, ist nicht groß, aber meine Trauer ist unmenschlich", so der 98-jährige Keilson.
Die Potsdamer Germanistin Dr. Margrid Bircken, die als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats an der Auswahl der Bücher mitgearbeitet hat, warb für eine Unterstützung des Projektes durch die Bildungs- und Kultusministerien der Länder, da die Bibliothek verbrannter Bücher sonst ihren geplanten Bestand drastisch kürzen müsste. "Wir meinten stattdessen, dass es eine gesellschaftliche Aufgabe sein müsste – unterstützt durch die Kultus- und Bildungsministerien der Länder – in dem geeinten Deutschland in den Schulen einen Literaturbestand zu etablieren, den es so für das 20. Jahrhundert weder in der DDR noch der Bundesrepublik jemals gegeben hatte, und den wir für wert befinden, dass er sich in den Lehrplänen niederschlägt."
Die Redebeiträge von Julius H. Schoeps, Hans Keilson, Margrid Bircken, Werner Treß und Georg W. Olms können hier heruntergeladen werden. Klicken Sie auf den entsprechenden Link. Die Datei öffnen Sie mit einem gewöhnlichen Multimedia-Player. Lässt sich die Datei nicht öffnen, so empfehlen wir die kostenlose Benutzung des VLC-Players.


