Zur Geschichte der Bücherverbrennung
Der 10. Mai ist für die deutsche Kultur- und Zeitgeschichte ein Datum, um an die Bücherverbrennung 1933 auf dem Opernplatz in Berlin zu erinnern, bei der der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, eine 'Festrede' hielt. Doch zugleich darf erstens nicht vergessen werden, dass die Bücherverbrennung auf dem heutigen Bebelplatz nur eine einzige von heute insgesamt 93 belegten Bücherverbrennungen in vielen deutschen Städten war. Und zweitens, dass deren Planung und Durchführung nicht etwa vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda ausging wie es jahrelang angenommen wurde.
Die Bücherverbrennungen am 10. Mai in Berlin und in 21 anderen deutschen Universitätsstädten, denen tausende Menschen beiwohnten, wurden – medial inszeniert – in die deutschen Wohnzimmer ausgestrahlt und am nächsten Morgen von der gleichgeschalteten deutschen Presse ohne Ausnahme einhellig begrüßt. Doch geplant und durchgeführt – von der Plakataktion über die Aufforderung des Sammelns von Büchern (aus Bibliotheken, Leihbüchereien, dem eigenen Bücherbestand und dem von Verwandten und Bekannten) bis zu ihrer Verbrennung – wurden sie von Studenten der Deutschen Studentenschaft im Rahmen ihrer Aktion „Wider den undeutschen Geist“. Dazu gehörte auch die Praxis von Schandpfählen, an die man zur Denunziation die Namen von Professoren und einzelne ihrer Schriften annagelte. Die „Säuberung“ der Bibliotheken und Büchereien geschah auf der Grundlage so genannter „Schwarzer Listen“, die neben der „Schönen Literatur“ auch Werke der Geschichte, Pädagogik, Politik und Staatswissenschaften enthielt.
Der „Aktion wider den undeutschen Geist“ waren bereits im März die Erstürmungen von Partei- und Gewerkschaftshäusern sowie von sozialdemokratischen und kommunistischen Verlagshäusern durch Horden der SA.
Weitere Organisationen und ihre Mitglieder wie Der Kampfbund für deutsche Kultur und die Hitler-Jugend führten Bücherverbrennungen in den Monaten März bis Oktober in vielen anderen deutschen Städten auf zentralen Plätzen und Schulhöfen durch. In wieder anderen Fällen wurden die Bücherverbrennungen durch die örtliche Schulbehörde angeordnet.
