Alexandra Kollontai
31.3.1872 (Sankt Petersburg) - 9.3.1952 (Moskau)
31. März 1872: Alexandra Kollontai wurde in St. Petersburg als Tochter des russischen adligen Generals Michail Domontowitsch geboren. Ihre Mutter stammte aus einer finnischen Arbeiterfamilie. Nach ihrem Schulabschluss absolvierte sie erfolgreich ein Lehrerinnenexamen.
1893: Gegen den Willen ihrer Eltern heiratete Alexandra Domontowitsch ihren Vetter Wladimir Kollontai. Obwohl es sich um eine Liebesheirat handelte und sie idealistische Vorstellungen vom Zusammenleben hatte, litt die junge Frau bald unter der Eintönigkeit ihrer Ehe.
1894: Sohn Michail wurde geboren.
1895: Kollontai wurde Mitarbeiterin der politischen Organisation „Rotes Kreuz“; half politischen Gefangenen.
1896: Kollontai organisierte während des berühmten Textilarbeiterstreiks in Petersburg Geldsammlungen zur Unterstützung der Streikenden und verteilte Flugblätter. Sie wurde mit den erschreckenden Lebensbedingungen der Arbeiterinnen konfrontiert. Sie hielt Veränderungen für dringend nötig. Von da ab suchte sie Kontakt zu revolutionären Gruppen und schloss sich der Untergrundbewegung an.
1898: K. trennte sich von ihrem Mann und ging in die Schweiz, um an der Fakultät für Ökonomie und
Statistik der Universität Zürich Sozial- und Wirtschaftwissenschaften zu studieren.
1899: Kollontai kehrte nach St. Petersburg zurück, hielt dort Vorträge und wandte sich der Frauenarbeit zu.
1905: Beteiligung Kollontais am Zug der Arbeiter zum Winterpalais. Sie führte aktive Mitarbeit bei Druck und Verteilung illegaler Flugblätter, die zum bewaffneten Kampf gegen die zaristische Selbstherrschaft aufriefen. Im April nahm sie an der ersten Petersburger Frauenkundgebung teil. Im November begegnete sie bei einer Versammlung erstmals Lenin.
1907: K. nahm als Vertreterin Russlands an der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Stuttgart teil.
1908: Anklageerhebung gegen Kollontai wegen ihrer Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei. Sie bereitete sich auf den 1. Gesamtrussischen Frauenkongress in Petersburg vor. Sie nahm daran teil und musste Russland sofort verlassen, denn ihr drohte die Verhaftung. Sie emigrierte nach Deutschland, wo sie die Politiker August Bebel, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht kennen lernte. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges agitierte sie für die „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (SPD) und verdiente sich ihren Lebensunterhalt mit der Schriftstellerei.
1915: Kollontai schloss sich den Bolschewiki an und wurde von den deutschen Behörden verhaftet. Sie reiste aus. Bis zum Ausbruch der Oktoberrevolution 1917 hielt sie sich in Dänemark, Schweden und Norwegen auf.
1917: Rückkehr nach Russland. Am 7. November hielt sie sich in Smolny im Stab des Aufstandes auf. Nach dem Sieg der Bolschewiken wurde sie als erste Sozialministerin Mitglied der ersten Sowjetregierung.
1918: Leiterin einer Delegation: Kollontai fuhr nach Schweden, England und Frankreich. Sie setzte viele sozialpolitische Verbesserungen für Frauen durch. Dazu gehörte vor allem die Mutterschutzgesetzgebung von 1917, die Schwangerschaftsurlaub bei voller Bezahlung und Arbeitsplatzgarantie regelte. Nach ihren Worten bedeutete jede gut eingerichtete Kinderkrippe mehr als 20 Agitationsreden. Heiratete den 17 Jahre jüngeren Volkskommissar für Flotte, Pavel Dybenko. Die Ehe hielt aber nicht lange.
1920: Leitete nach dem Tode von Ines Armand die Frauenabteilung beim Zentralkomitee, war auch ein Mitglied beim Volkskommissariat für soziale Fürsorge zur Bekämpfung der Prostitution.
1922: Ernennung zum Rat der Bevollmächtigen Vertretung der UdSSR in Norwegen.
1923: Ernennung zum Bevollmächtigen Vertreter und Leiter der Gesandtschaft und Handelsvertretung in Norwegen und somit erste akkreditierte Diplomatin weltweit.
1924: Unter aktiver Mitwirkung von Kollontai wurde der Vertrag über gegenseitige Annerkennung zwischen der UdSSR und Norwegen unterzeichnet.
1926: Botschafterin der UdSSR in Mexiko.
1930: Von November bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete Kollontai in Stockholm.
1944 Kollontai trug zum Waffenstillstand mit Finnland bei und ermöglichte diesem Land so den Ausstieg aus dem Zweiten Weltkrieg. Bekam dafür von Stalin der Ehrenbotschaftertitel verliehen.
1945: Als die Sowjetunion in den Völkerbund aufgenommen wurde, gehörte Kollontai auch der russischen Delegation in Genf an. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zog sich Kollontai von allen Ämtern zurück und verabschiedete sich in den Ruhestand nach Moskau.
Blieb bis zu ihrem Tod am 9. März 1952 eine wichtige Beraterin des sowjetischen Außenministeriums.