Nikolaj Bucharin

09.10.1888 (Moskau) - 13.03.1938 (Moskau)

Nikolaj Bucharin war ein sowjetischer Politiker, Ökonom und marxistischer Theoretiker, der sich 1906 den Bolschewiken anschloss. Nach seiner Flucht vor Verbannung lebte er von 1911 bis 17 im Exil und kehrte nach der Februarrevolution nach Russland zurück.
Als führender Repräsentant der innerparteilichen Oppositionsgruppe der "linken Kommunisten" lehnte er die Unterzeichnung des Friedensvertrages von Brest-Litowsk im März 1918 mit den Mittelmächten ab und propagandierte einen "revolutionären Krieg", der die kommunistische Revolution in Europa auslösen sollte.
Von 1917 bis 34 war Bucharin Mitglied des Zentralkomitees und von 1924 bis 29 des Politbüros der Kommunistischen Partei, sowie von 1917 bis 29 Chefredakteur der "Prawda". Er galt  (entsprechend einer Charakterisierung im "Testament Lenins" vom Dezember 1922) als "Liebling der Partei".
Nach Lenins Tod unterstützte Buchanin zunächst Stalin. Als Anhänger der 1921 eingeführten "Neuen Ökonomischen Politik" (NÖP) wandte er sich gegen eine Politik der beschleunigten Industrialisierung und Kollektivierung. Daraufhin ließ ihn Stalin als "Rechtsabweichler" im Jahre 1929 aller Funktionen entheben und 1938 im Zuge der "Großen Tschistka" in einem Schauprozess zum Tode verurteilen. 1988 jedoch wurde Bucharin posthum rehabilitiert.
Als Theoretiker entwickelte Bucharin  - ähnlich Lenin - eine marxistische Theorie des Imperialismus. Im Hinblick auf die nachrevolutionäre Gesellschaft vertrat er die These des organischen Übergangs vom Sozialismus zum Kommunismus. Den historischen Materialismus definierte er als "die allgemeine Lehre von der Gesellschaft und den Gesetzen und ihrer Entwicklung“.

Auswahlbibliografie


Das ABC des Kommunismus, 1921
Imperialismus und Weltwirtschaft, 1918
Die Ökonomie der Übergangsperiode, 1920 (mit Preobraschenski)
Programmschriften, 1918
Die Theorie des Materialismus, 1921

Nach: Brockhaus: Enzyklopädie in 30 Bänden. Leipzig 2006 (Brockhaus Verlag).