Alexander Fadejew

24.12.1901 (Kimry) - 13.05.1956 (Moskau)



Alexander Fadejew war ein russisch-sowjetischer Romancier und Essayist. Der Sohn eines Lehrers wuchs in den Dörfern des Süd-Ussuri-Gebietes auf und besuchte die Handelsschule in Wladiwostok. Zuletzt als Brigadekommissar, nahm er von 1919 bis 21 am Partisanenkampf teil und wurde 1921 bei der Niederschlagung der Kronstädter Meuterei schwer verwundet. 1922 bis 23 studierte er an der Moskauer Bergakademie und hatte dann, 1923 bis 26 Parteifunktionen in Krasnodar und Rostow inne. Ab Ende 1926 gehörte Fadejew zur Leitung der "Russischen Föderation proletarischer Schriftsteller" (RAPP) in Moskau; ab 1934 war er Leitungsmitglied des sowjetischen Schriftstellerverbandes, später auch Sekretär bzw. Generalsekretär. Des Weiteren war Fadejew Deputierter des Obersten Sowjets der UdSSR und Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion) und Mitglied und zuletzt Vizepräsident des Weltfriedensrates.

Fadejews erste Werke schildern Episoden aus dem Bürgerkrieg. Sein Roman "Die Neunzehn" (1927) bildet einen Markstein in der frühen sowjetischen Prosa. Am tragischen Schicksal einer kleinen Partisaneneinheit, die in harten Kämpfen von einem zahlenmäßig überlegenen Gegner aufgerieben wird, warf Fadejew Grundfragen des realen Humanismus auf. Herausragende Gestalten sind die Partisanen Morozka und Mecik, deren gegensätzliche Entwicklung einerseits die schließlich zum Verrat führende Schwäche des bürgerlichen Individualismus, andererseits die zunehmende Bewusstheit eines jungen Menschen aus der Arbeiterklasse offenbart. In der Gestalt des Kommandeurs Levinson wird die Führung des revolutionären Kampfes durch die Partei gezeigt. Der deutliche Rückgriff auf Tolstoi in der psychologischen Charakterdarstellung verlieh dem Roman programmatische Bedeutung in der Erbeaneignung.
Der Roman "Der letzte Udehe" (1930/40), dessen letzte Fassung 1957 erschien, umgreift das Thema revolutionärer Veränderungen sowohl die Wiedergeburt eines vom Aussterben bedrohten fernöstlichen Volkes, als auch die Wandlungen bürgerlicher Menschen und vor allem das Reifen sozialistischer Persönlichkeiten im Klassenkampf.
Während des Zweiten Weltkrieges war Fadejew an verschiedenen Fronten tätig und schrieb zahlreiche Skizzen und publizistische Arbeiten, unter anderem die Skizzenfolge "Leningrad in den Tagen der Blockade" (1944). In dem weltweit bekannten Roman "Die junge Garde" (1945) setzte er nicht nur den von den Faschisten ermordeten Komsomolzen von Krasnodar (Angehörige einer Widerstandsgruppe) ein Denkmal, sondern stellte in ihrem Leben, Kampf und Sterben das moralisch-geistige Antlitz einer bereits ganz vom Sozialismus geprägten jungen Generation dar. In der zweiten Fassung wurde die führende und helfende Rolle erfahrener Kommunisten im antifaschistischen Widerstandskampf stärker betont.
Ab 1951 arbeitete Fadejew an dem Fragment gebliebenen Roman "Schwarzmetallurgie" (1951), der den Kampf um den technischen Fortschritt sowie moralische Probleme im persönlichen Lebensbereich behandeln sollte.

Auswahlbibliografie


Cernaja metallurgija (Schwarzmetallurgie), 1951 - Romanfragment
Leningrad v dni blokady (Leningrad in den Tagen der Blockade), 1944 - Skizzenfolge
Molodaja gvardija (Die junge Garde), 1945 - Roman
Poslednij iz Udege (Der letzte Udehe), 1930/40 - Roman
Protiv tecenija (Gegen den Strom), 1923
Razgrom (Die Neunzehn), 1927 - Roman
Razliv (Hochwasser), 1924
Za tridcat (Über Literatür), 1959 - Aufsatzband 

Nach: Steiner, Gerhard (Hrg.): Lexikon fremdsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. Leipzig 1981 (Bibliograph. Inst.).