Konstantin Fedin
24.02-1892 (Saratow) - 15.07.1977 (Moskau)
Konstantin Fedin war ein russisch-sowjetischer Romancier. Der Sohn eines Kaufmannes besuchte eine Handelsschule und wurde 1914 bis 18 in Deutschland zivilinterniert. Er gab in Zittau Privatstunden und trat unter anderem als Schauspieler auf. Nach der Oktoberrevolution als Redakteur tätig, war er ebenfalls Vorsitzender als der Sowjetischen Gesellschaft für Freundschaft mit der DDR tätig. Ab 1959 war er Vorsitzender des Schriftstellerverbandes und lebte in Moskau.
Schon in seinen frühen Erzählungen, wie z.B. "Einöde" (1923), die der Auseinandersetzung mit dem Kleinbürgertum gewidmet sind, zeigte sich Fedin als traditionsbewusster Künstler und unverwechselbarer Sprachgestalter, der das Erbe Dostoevskijs, Gogol's und Cechovs weiterführte. Er war eng mit Gorki befreundet und empfing von ihm in den 20er Jahren wesentliche Impulse. Weltweit bekannt wurde er durch seinen ersten Roman "Städte und Jahre" (1924), der in eigenwillig expressiver Form die Zeit des Ersten Weltkrieges und der sozialistischen Revolution ins Bild setzt. Fedin konfrontierte in diesem Werk die Unmenschlichkeit des deutschen Militarismus mit dem Friedenswillen der Völker und seiner Erfüllung durch die Revolution in Russland. 1928 behandelte er in "Die Brüder" Probleme der Kunst in der Revolution und veranschaulichte am Schicksal eines Musikers die volksverbundene, national eigenständige Kunst als einzige echte Perspektive.
Während der 30er Jahre gestaltete Fedin angesichts der zunehmenden Kriegsgefahr vielseitig die Krisenerscheinungen des westeuropäischen Kapitalismus. Eigene Erlebnisse liegen den kleinen Romanen "Ich war Schauspieler" (1937) und "Sanatorium Arktur" (1940) zugrunde. Der Roman "Raub der Europa" (1933/35) stellt der aggressiven Politik westeuropäischer Industrieller den sozialistischen Arbeitsheroismus in der Sowjetunion gegenüber.
Noch während des Krieges begann Fedin ein episches Monumentalwerk über den Weg der sozialistischen Gesellschaft vom Vorabend der Revolution bis zum "Großen Vaterländischen Krieg" (Anm: Zweiter Weltkrieg): "Frühe Freuden" (1945), "Ein ungewöhnlicher Sommer" (1948) und "Die Flamme" (1961). Die Trilogie gehört zu den bedeutendsten Werken der sowjetischen Nachkriegsliteratur. In weitgespannter, philosophisch angelegter Konzeption macht sie, ausgehend von der oft komplizierten Entwicklung von Vertretern verschiedener Schichten, Wesen und Problematik der Epoche transparent. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Fragen nach dem Platz des Menschen in der Geschichte und den Aufgaben der Kunst.
Auswahlbibliografie
Brat'ja (Die Brüder), 1928
Goroda i gody (Städte und Jahre), 1924 - Roman
Ja byl akterom (Ich war Schauspieler), 1937 - Roman
Koster (Die Flamme), 1961 - Teil 3 einer Trilogie
Neobyknovennoe leto (Ein ungewöhnlicher Sommer), 1948 - Teil 2 einer Trilogie
Pervye radosti (Frühe Freuden), 1945 - Teil 1 einer Trilogie
Pochiscenie Europie (Raub der Europa), 1933/35 - Roman
Pustyr (Einöde), 1923 - Erzählung
Sanatorij Arktur (Sanatorium Arktur), 1940 - Roman
Nach: Steiner, Gerhard (Hrg.): Lexikon fremdsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. Leipzig 1981 (Bibliograph. Inst.).