Vera Figner
07.07-1852 (Gouvernment Kasan) - 15.06.1942 (Moskau)
Vera Figner war eine russische Berufsrevolutionärin und Schriftstellerin. Aus einer adligen Familie stammend, absolvierte sie die Universität in Kasan und studierte 1872 bis 75 Medizin in Zürich. Hier beschäftigte sie sich auch mit revolutionären Gesellschaftstheorien und schloss sich dem revolutionären Flügel der Volkstümlerbewegung an. Nach Russland zurückgekehrt, arbeitete Figner als Feldscherin und stellte ihr Wirken bewusst in den Dienst des revolutionären Kampfes gegen den Zarismus. Sie war führendes Mitglied der Geheimorganisation "Narodnaja Volja" (russ. für Volkswille), die auf dem Wege des individuellen Terrors die Selbstherrschaft beseitigen wollte und Attentate auf den Zaren plante.
Sie wurde 1883 verhaftet und zum Tode verurteilt, die jedoch in lebenslänglichen Kerker umgewandelt wurde. Nach zwanzigjähriger Haft in Schlüsselburg, während der erste Gedichte Figners entstanden, wurde sie verbannt. Sie emigrierte nach der Revolution von 1905 bis 06 und kehrte 1915 nach Russland zurück.
Nach Ende der Oktoberrevolution war Figners aktiv gesellschaftlich und schriftstellerisch tätig. In ihrer Lyrik - ihr erster Gedichtband erschien 1906 - dominiert die politische Thematik der russischen Volkstümlerbewegung. Der lyrische Held ihrer Geschichte ist der revolutionäre Kämpfer für das Wohl des Volkes, der trotz Niederlagen den festen Glauben an den gerechten Sieg behält.
Mit den Lebenserinnerungen "Nacht über Russland" (1922), in denen Figner eindrucksvoll das Wirken russischer Revolutionäre, ihre Festungshaft in Schlüsselburg und ihr Leben in den ersten Jahren der Freiheit schildert, schuf sie ein bedeutendes Werk der Memoirenliteratur.
Auswahlbibliografie
Zapecatlennyj trud (Nacht über Russland), 1922 - Memoiren
Nach: Steiner, Gerhard (Hrg.): Lexikon fremdsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. Leipzig 1981 (Bibliograph. Inst.).