Fjodor Gladkow

21.06.1883 (Tschernawka) - 20.12.1958 (Moskau)

Fjodor Gladkow war ein russisch-sowjetischer Romancier und Erzähler. Der Sohn eines Bauern war zunächst Ladengehilfe, Lehrling in einer Apotheke und Setzer in einer Druckerei. Bevor er 1905 am Lehrerseminar in Tiflis studierte, war er 1902 Unterstufenlehrer im Baikal-Gebiet. Während seines Studiums wurde er als Mitglied der SDAPR (Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands) verhaftet und für einige Jahre verbannt. Von 1914 bis 17 war er erneut Lehrer im Kubangebiet, kämpfte jedoch während des Bürgerkrieges in der Roten Armee. Ab 1920 arbeitet er als Redakteur einer Gebietszeitung und wurde 1921 nach Moskau berufen, wo er von 1945 bis 48 das Gorki-Literaturinstitut leitete. 
In seinen frühen Erzählungen schildert Gladkow das Leben der Arbeiter und armen Bauern, der Verurteilten und Barfüßer in zum Teil naturalistischer Weise. Nach der Revolution griff er in dem Drama "Windbruch" (1923), den Erzählungen "Grünende Saat" (1922) und "Das feurige Ross" (1923) aktuelle Probleme auf.
1925 gelang Gladkow der erste bedeutende sowjetische Roman über den sozialistischen Aufbau: "Zement". In dieser Geschichte der Wiederherstellung eines Zementwerkes, die den Leser durch die lebendige Wiedergabe der Aufbruchs-Atmosphäre in den ersten Aufbaujahren nach dem Bürgerkrieg faszinierte, warf Gladkow aktuelle Fragen der sozialistischen Moral in Arbeit, Ehe und Freundschaft auf. Mit dem kommunistischen Arbeiter Gleb Cumalov schuf er eine der ersten Gestalten, in denen sich das Heldentum und die Romantik der freien schöpferischen Arbeit verkörpert. Der Roman wurde in viele Sprachen übersetzt, verfilmt und verhalf der jungen Sowjetliteratur zu Ansehen.
Auch der zweibändige Roman "Energie" (1932/39) ist dem Entstehen neuer menschlicher Beziehungen auf den sozialistischen Baustellen gewidmet. Mit der detaillierten Schilderung des Kollektivs der Baustelle führte Gladkow vielfältigste Erscheinungsformen eines sich anbahnenden neuen Verhältnisses zur Arbeit vor. Daneben haben wieder Fragen von Ehe, Moral und Familienbeziehungen breiten Raum, denn er strebte ein Gesamtbild vom moralischen Wandlungsprozess des Volkes an.
Nach dem Krieg schrieb Gladkow eine an Gorki orientierte autobiographische Romanfolge: "Der Schnee schmilzt" (1949), "Die Tagelöhner" (1950), "Schwere Zeiten" (1954) und "Stürmische Jugend" (unvollendet), die ein beeindruckendes, mit vielen liebenswürdigen Volkstypen ausgestattetes Gemälde des vorrevolutionären Russlands vermittelt.

Auswahlbibliografie


Burelom (Windbruch), 1923 - Drama
Cement (Zement), 1925 - Roman
Energija (Energie), 1932/39 - zweibändiger Roman
Lichaja godina (Schwere Zeiten), 1954 - Roman
Mjateznaja junost (Stürmische Jugend), unvollendet - Roman
Ognennyj kon (Das feurige Ross), 1923
Povest' o detstve (Der Schnee schmilzt), 1949 - Roman
Vol'nica (Die Tagelöhner), 1950 - Roman
Zelenja (Grünende Saat), 1922 - Erzählungen

Nach: Steiner, Gerhard (Hrg.): Lexikon fremdsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. Leipzig 1981 (Bibliograph. Inst.).