Maxim Gorki
Nishni-Nowgorod (28.03.1868) - Moskau (18.06.1936)
Maxim Gorki war ein russisch-sowjetischer Romancier, Erzähler, Dramatiker, Essayist und Publizist. Der Sohn eines Tischlers war früh verwaist und verbrachte seine Kindheit beim Großvater, einem Färbereibesitzer, der in der Familie mit schrecklicher Grausamkeit regierte. Die Großmutter wiederum erschloss ihm den reichen Quell der Volkspoesie.
Vom elften Lebensjahr an musste sich Gorki den Lebensunterhalt mit verschiedenen Arbeiten selbst verdienen. Dabei lernte er die "bleiernen Scheußlichkeiten" russisch vorrevolutionären Lebens von Grund auf kennen, doch er fand auch gerade unter den am meisten Erniedrigten Menschen, deren innere Kraft ihn beeindruckte. Ein Versuch, an der Kasaner Universität zu studieren, scheiterte. Stattdessen jedoch fand Gorki in Kasan Anschluss an revolutionär gesinnte Kräfte, u.a. den Organisator des ersten marxistischen Zirkels in der Stadt.
Im Jahre 1891 begann Gorki eine ausgedehnte Wanderung durch Russland mit dem Ziel, die Lebenswirklichkeiten intensiver zu studieren. Seine erste Erzählung, "Makar Tschudra" (1892), veröffentlichte er im darauffolgenden Jahr.
Vom Zarismus verfolgt und mehrfach verhaftet, dehnte Gorki sein gesellschaftliches und litararischen Wirken für die Revolution ständig aus. Es fand in den Ereignissen des Jahres 1905 einen ersten Höhepunkt. Seit Beginn des Jahrhunderts leitete er in Petersburg den Verlag "Znanie", in dessen gleichnamigen Sammelbänden bedeutende realistische Werke zeitgenössischer Schriftsteller, so Andreev, Bunin, Cechov u.a., erschienen. 1906 verließ er Russland.
Er besuchte Westeuropa und Amerika und lebte dann bis 1913 auf Capri, um seine Tuberkuloseerkrankung zu heilen. Zeitweilige Einflüsse idealistischer Theorien, z.B. des sogenannten Gottsuchertums, überwand er unter dem Einfluss Lenins, mit dem er seit 1905 befreundet war. Auch in der Zeit der Oktoberrevolution half Lenin Gorki die Vielschichtigkeit der historischen Vorgänge zu begreifen. 1921 jedoch musste er auf Anraten Lenins das Land aus gesundheitlichen Gründen erneut verlassen. Er siedelte sich nach kurzem Aufenthalt in Deutschland in Sorrent (Italien) an, blieb aber auch in der Ferne ständiger Ratgeber vieler junger Sowjetschriftsteller.
Nach seiner Rückkehr in die Heimat im Jahre 1928 widmete er sich vor allem vielfältigen Vorhaben zur literarischen Umsetzung und Propagierung der sozialistischen Erfahrungen. Neben eigenen publizistischen Arbeiten wirkte er als Herausgeber sowie als Organisator von diversen Zeitschriften. Die Gründung des sowjetischen Schriftstellerverbandes im Jahre 1934, dessen erster Vorsitzender Gorki war, ist von ihm wesentlich mit initiiert worden.
In seinen frühen Erzählungen entlarvte Gorki mit unerbittlicher Realistik die menschenfeindlichen Folgen der vorrevolutionären gesellschaftlichen Verhältnisse. Den beginnenden Protest der unteren Schichten und ihr Drängen nach einem besseren Leben stellte er in "Im Salz" (1893), "Das Ehepaar Orlow" (1897), "Der Flegel" (1897) und anderen Erzählungen dar. Gorki formte daneben in progressiv-romantischer Weise das Ideal der freien, stolzen Persönlichkeit - so u.a. in "Lied vom Falken" (1895) und "Die alte Isergil" (1895). Sein erster Roman, "Foma Gordeev" (1899), wiederum gibt einen Einblick in die Verhältnisse der russischen Kaufmannschaft.
Um die Jahrhundertwende war Gorki mit Tolstoj und Cechov persönlich bekannt geworden. Letzterer stimulierte Gorkis Hinwendung zur Dramatik. In seinen früheren Stücken setzte er sich mit der Lostrennung der Intelligenz vom Volk auseinander, so z.B. in "Kleinbürger" (1902).
Im Jahre 1906 entstand der Roman "Die Mutter", der zum Fundament der Literatur des sozialistischen Realismus wurde. Erstmals wurde in diesem Werk in realistischer Analyse die proletarische revolutionäre Bewegung breit dargestellt.
Nach der Oktoberrevolution beschäftigte sich Gorki mit zwei großen Problemkomplexen: mit dem historisch-moralischen Verfall der bürgerlichen Gesellschaft einerseits und mit dem Charakter des Zeitgenossen andererseits. Dem letzteren widmete er einen Zyklus aus Porträtskizzen über bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Russland, darunter Tolstoj und Lenin.
Gorki wird bis heute mit der Begründung der sozialistisch-realistischen Methoden verbunden.
Auswahlbibliografie
Foma Gordeev (Foma Gordeev), 1899 - Roman
Makar Cudra (Makar Tschudra), 1892 - Erzählung
Mat' (Die Mutter), 1906 - Roman
Mescane (Kleinbürger), 1902 - Drama
Na Soli (Im Salz), 1893 - Erzählung
Osornik (Der Flegel), 1897 - Erzählung
Pesnja o sokole (Lied vom Falken), 1895
Starucha Izergil' (Die alte Isergil), 1895
Suprugi Orlovy (Das Ehepaar Orlov), 1897 - Erzählung
Nach: Steiner, Gerhard (Hrg.): Lexikon fremdsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. Leipzig 1981 (Bibliograph. Inst.).