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                <title type="main">Wege der Liebe</title>
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                        <surname>Kollontay</surname>
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                    <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2130670-9">Moses Mendelssohn Zentrum für
                        europäisch-jüdische Studien</orgName>
                    <email>redaktion@juedische-geschichte-online.net</email>
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                        <addrLine>Am Neuen Markt 8, 14467 Potsdam</addrLine>
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                        <p>Dieses Werk ist gemeinfrei. Digitalisat der Universitätsbibliothek
                            Regensburg im Rahmen des Digitalisierungsprojektes EODOPEN</p>
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                <note>
                    <p> In ihren 1925 vom Berliner Malik Verlag veröffentlichten drei Erzählungen,
                        die inhaltlich Selbstbefreiungsschläge sowjetischer Frauen aus den
                        patriarchalen Gefügen nachzeichnen, stellt Kollontay ein neues und
                        emanzipiertes Bild der modernen Frau in der sozialistischen Gesellschaft
                        vor. Als überzeugte Kommunistin, Marxistin und Verfechterin der
                        sozialistischen Revolution, ohne die es nach ihrer Überzeugung kein
                        Selbstbestimmungsrecht für Frauen geben könne, positionierte sie sich
                        politisch als auch gesellschaftlich konträr zu den Vorstellungen der
                        Nationalsozialisten. Kollontay verhandelt in „Wege der Liebe“ die Themen,
                        für die sie sich zeitlebens einsetzte: die Unabhängigkeit der Frau in der
                        Gesellschaft, von der Rolle als Mutter und Ehefrau bis hin zur
                        selbstbestimmten Entscheidung, kein Kind zu bekommen und zeichnet so ein
                        sehr modernes und emanzipiertes Frauenbild. </p>
                    <p> In Kollontays erster Erzählung „Die Liebe der drei Generationen“ nimmt die
                        Leserschaft teil an einem längeren Brief, den Olga Wasselewskaja an die
                        Erzählerin schreibt, in dem sie sie um Hilfe bittet, denn sie weiß nicht,
                        was sie tun soll. Es geht um die Lebensweise ihrer Tochter, aber dieser
                        Geschichte voraus gehen zunächst die eigenen Lebenserinnerungen und die
                        ihrer Mutter. Olga Wasselewskaja führt aus, dass ihre Mutter sich dem
                        Politischen ganz und gar verpflichtet fühlte und auch gemeinsam mit ihrem
                        Mann wirkte: „In Sergej fand meine Mutter, wie sie behauptete, die
                        Verkörperung alles dessen, was ihr Herz, ihre Seele und ihr Geist suchten:
                        Den leidenschaftlich geliebten Mann, den Menschen, den sie achten konnte,
                        und den Freund, mit dem zusammen sie für die Aufklärung des Volkes arbeiten
                        wollte.“ (S. 14). Wasselewskajas Eltern gerieten in Zeiten der Revolution in
                        Haft. In der Verbannung wurde Olga geboren. Sie schreibt, dass der Vater
                        Sergej ihre Mutter betrog und sie ihn daraufhin verließ. Als sie von den
                        einzelnen Lebensläufen erzählt, entstehen Parallelen in den Handlungs- und
                        Erfahrungsräumen. Denn Olga Wasselewskaja selbst erwähnt auch eine Affäre,
                        die sie als liierte Frau in Bedrängnis geraten ließ. Voller Unsicherheit
                        bittet sie ihre Mutter um Hilfe, da sie schwanger war und sich nicht zu
                        helfen wusste: „Und ich versuchte wieder, meiner Mutter klarzumachen, wie
                        beide Gefühle in mir nebeneinander lebten: Die tiefe Anhänglichkeit, die
                        Zärtlichkeit für Constantin, das Bewußtsein unserer seelischen
                        Zusammengehörigkeit, - und der stürmische Trieb zu M., den ich als Menschen
                        weder liebe noch achte.“ (S. 27). In den Wirren der Revolution begegnet sie
                        beiden noch einmal, aber die Gefühle sind erloschen. Sie lebt selbstbestimmt
                        als alleinerziehende Mutter und berichtet nun von ihrer Tochter Genia, um
                        die es eigentlich geht. Denn sie erwartet ein Kind, weiß jedoch nicht, von
                        wem. Das empört die Mutter und sie bittet die Erzählerin nun darum, mit
                        Genia zu sprechen. Genia äußert sich sehr selbstbewusst über die Empörung
                        ihrer Mutter: „Du sagst, das ist gemein, Mutter, man soll sich nicht ohne
                        Liebe hingeben, und ich bringe dich mit meinem Zynismus zur Verzweiflung.
                        Aber sage mir offen, Mutter, wenn ich dein zwanzigjähriger Sohn wäre, der an
                        der Front gewesen ist und überhaupt selbständig lebt, würdest du auch
                        entsetzt sein, wenn er Verkehr mit Frauen hätte, die ihm gefallen?“ (S.
                        50f.). Genia empfindet keine hingebungsvolle und tiefe Liebe für die Männer
                        und entscheidet sich gegen die Schwangerschaft und das Kind. Die Erzählerin
                        fragt sich nach dem Gespräch mit ihr: „Ich aber bleibe mitten im Zimmer
                        stehen und suche die Antwort auf die Frage: Wer hat in Zukunft Recht, - das
                        Recht der neuen Klasse mit den neuen Gefühlen, neuen Begriffen und neuen
                        Anschauungen?“ (S. 65). </p>
                    <p> In der zweiten Erzählung „Schwestern“ erfährt die Leserschaft von einer
                        jungen verzweifelten Frau, die um Hilfe bittet. Sie berichtet von ihrer
                        Beziehung zu ihrem Mann, ihrer Arbeitslosigkeit und dem verstorbenen Kind.
                        Nachdem er mehrere Male betrunken und dann auch mit einer Frau nach Hause
                        kam, verzweifelte sie zunehmend an dieser Verbindung. Eines Nachts spricht
                        sie mit der jungen Frau, die sich prostituieren muss, weil sie entlassen
                        wurde und sich nicht zu helfen weiß. Sie ist empört über das ausbeuterische
                        und unmoralische Verhalten ihres eigenen Mannes: „Wie durfte er es wagen,
                        die trostlose Lage einer Frau so auszunutzen? Er ist doch ein
                        einsichtsvoller Arbeiter mit Verantwortungsgefühl! … Statt einem
                        arbeitslosen Kameraden zu helfen, kauft er ihn! Kauft seinen Körper zur
                        eigenen Befriedigung! … Das war mir so ekelhaft, daß ich mir sofort sagte:
                        Mit einem solchen Menschen kann ich nicht länger leben!“ (S. 84). Sie trennt
                        sich von ihm und versucht selbstbestimmt ihren Weg zu gehen. </p>
                    <p> In der dritten Erzählung „Wassilissa Malygina“ begegnet man der starken
                        Kommunistin und Arbeiterin Wassilissa Malygina, die sich für die Rechte der
                        Frauen einsetzt. „Weshalb sind Weiberangelegenheiten weniger wichtig? Alle
                        haben sich an diese Arbeit gewöhnt, daher kommt das ‚Zurückgebliebensein‘
                        der Frau. Aber ohne Frauen kann man keine Revolution machen.“ (S. 90). Sie
                        arbeitet unaufhörlich für ein Gemeindehaus und vermisst ihren Mann Wladimir
                        schmerzlich. Als sich die Gelegenheit ergibt zu ihm zu reisen, macht sie
                        sich auf den Weg und erinnert sich an die schwierigen Zeiten, die beide
                        straucheln ließen, aber auch an die guten, die sie verbinden. Als sie auf
                        seinem Gehöft ankommt, wundert sie sich über die luxuriöse Ausstattung
                        seines Hauses und kann nicht verstehen, weshalb er so verschwenderisch lebt.
                        „So ein Gehalt bekommst du? Monatlich? Ja wie darfst du es dann als
                        Kommunist für solchen Dreck verbrauchen, für lauter Nichtigkeiten? Die Not
                        wächst! Rund herum ist Not! Hunger! … Und die Arbeitslosen? Hast du die
                        vergessen?“ (S. 192). Hinzu kommt, dass sie erfährt, dass Wladimir seit
                        längerem eine Freundin hat. Wassilissa ist hin- und hergerissen. Sie weiß
                        nicht, was sie tun soll. Zuerst ist sie erleichtert, als seine Geliebte den
                        Ort verlässt, spürt aber auch, dass ihre Beziehung zu Wladimir schon lange
                        nicht mehr so ist, wie sie mal war. Zunehmend spürt Wassilissa, dass er sie
                        nicht akzeptiert und sie wiederholt kritisiert und beschimpft: „Wie ziehst
                        du dich an? Die Stiefel sind abgetreten, der Rock ist schmutzig, wie ein
                        Weib aus dem Dorf kommst du mit dem Tuch auf dem Kopf. Liederlich!“ (S.
                        348). Sie trennt sich von ihm, ist sich aber ihrer bevorstehenden Aufgaben
                        bewusster denn jemals zuvor und beschließt selbstbestimmt ihr Leben in die
                        Hand zu nehmen, auch mit dem Kind, das unter ihrem Herzen wächst: „Ein
                        Kindchen! Das ist schön. Sie wird den andern Weibern ein Beispiel geben, wie
                        man ein Kind kommunistisch erzieht. Man braucht nicht eine Küche, eine
                        Familie und all den Plunder.“ (S. 396). </p>
                    <p> Text: Katrin Huhn </p>
                    <p>
                        <hi rendition="#b">Achtung!</hi> Diskriminierender Begriff auf S. 216 </p>
                </note>
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                <bibl>
                    <author>Kollontay, Alexandra</author>
                    <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7003712">Berlin</placeName>
                    <date when="1925">1925</date>
                    <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/44419-4">Malik Verlag </orgName>
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                            <p>Antiqua</p>
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                     Die Witwe Lenins, Frau Krupskaja (links) und die sowjetrussische Gesandte in
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                     auf dem Internationalen Kongress der Freunde der Sowjetunion in Moskau</p>
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                 Copyright by MALIK-VERLAG A.-G. Berlin 1925 <lb/>
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            <p> INHALT </p>
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