<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-stylesheet type="text/xsl" href="/assets/oai.xsl"?>
<OAI-PMH xmlns="http://www.openarchives.org/OAI/2.0/" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://www.openarchives.org/OAI/2.0/ http://www.openarchives.org/OAI/2.0/OAI-PMH.xsd">
  <responseDate>2026-05-09T12:13:31Z</responseDate>
  <request identifier="oai:source-14.de" metadataPrefix="oai_dc" verb="GetRecord">https://www.verbrannte-buecher.de/oai</request>
  <GetRecord>
    <record>
      <header>
        <identifier>oai:source-14.de</identifier>
        <datestamp>1900-01-01T00:00:00Z</datestamp>
      </header>
      <metadata>
        <oai_dc:dc xmlns:oai_dc="http://www.openarchives.org/OAI/2.0/oai_dc/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xsi:schemaLocation="http://www.openarchives.org/OAI/2.0/oai_dc/                  http://www.openarchives.org/OAI/2.0/oai_dc.xsd">
                <dc:language>de</dc:language>
                <dc:title>Wege der Liebe</dc:title>
                <dc:identifier>https://www.verbrannte-buecher.de/bibliothek/source-14</dc:identifier>
                <dc:creator>Kollontay, Alexandra</dc:creator>
                <dc:publisher>Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien</dc:publisher>
                <dc:subject/>
                <dc:type>Online Ressource</dc:type>
                <dc:description>In ihren 1925 vom Berliner Malik Verlag veröffentlichten drei
Erzählungen, die inhaltlich Selbstbefreiungsschläge sowjetischer
Frauen aus den patriarchalen Gefügen nachzeichnen, stellt Kollontay
ein neues und emanzipiertes Bild der modernen Frau in der
sozialistischen Gesellschaft vor. Als überzeugte Kommunistin,
Marxistin und Verfechterin der sozialistischen Revolution, ohne die es
nach ihrer Überzeugung kein Selbstbestimmungsrecht für Frauen geben
könne, positionierte sie sich politisch als auch gesellschaftlich
konträr zu den Vorstellungen der Nationalsozialisten. Kollontay
verhandelt in „Wege der Liebe“ die Themen, für die sie sich
zeitlebens einsetzte: die Unabhängigkeit der Frau in der
Gesellschaft, von der Rolle als Mutter und Ehefrau bis hin zur
selbstbestimmten Entscheidung, kein Kind zu bekommen und zeichnet so
ein sehr modernes und emanzipiertes Frauenbild.

In Kollontays erster Erzählung „Die Liebe der drei Generationen“
nimmt die Leserschaft teil an einem längeren Brief, den Olga
Wasselewskaja an die Erzählerin schreibt, in dem sie sie um Hilfe
bittet, denn sie weiß nicht, was sie tun soll. Es geht um die
Lebensweise ihrer Tochter, aber dieser Geschichte voraus gehen
zunächst die eigenen Lebenserinnerungen und die ihrer Mutter. Olga
Wasselewskaja führt aus, dass ihre Mutter sich dem Politischen ganz
und gar verpflichtet fühlte und auch gemeinsam mit ihrem Mann wirkte:
„In Sergej fand meine Mutter, wie sie behauptete, die Verkörperung
alles dessen, was ihr Herz, ihre Seele und ihr Geist suchten: Den
leidenschaftlich geliebten Mann, den Menschen, den sie achten konnte,
und den Freund, mit dem zusammen sie für die Aufklärung des Volkes
arbeiten wollte.“ (S. 14). Wasselewskajas Eltern gerieten in Zeiten
der Revolution in Haft. In der Verbannung wurde Olga geboren. Sie
schreibt, dass der Vater Sergej ihre Mutter betrog und sie ihn
daraufhin verließ. Als sie von den einzelnen Lebensläufen erzählt,
entstehen Parallelen in den Handlungs- und Erfahrungsräumen. Denn
Olga Wasselewskaja selbst erwähnt auch eine Affäre, die sie als
liierte Frau in Bedrängnis geraten ließ. Voller Unsicherheit bittet
sie ihre Mutter um Hilfe, da sie schwanger war und sich nicht zu
helfen wusste: „Und ich versuchte wieder, meiner Mutter
klarzumachen, wie beide Gefühle in mir nebeneinander lebten: Die
tiefe Anhänglichkeit, die Zärtlichkeit für Constantin, das
Bewußtsein unserer seelischen Zusammengehörigkeit, - und der
stürmische Trieb zu M., den ich als Menschen weder liebe noch
achte.“ (S. 27). In den Wirren der Revolution begegnet sie beiden
noch einmal, aber die Gefühle sind erloschen. Sie lebt selbstbestimmt
als alleinerziehende Mutter und berichtet nun von ihrer Tochter Genia,
um die es eigentlich geht. Denn sie erwartet ein Kind, weiß jedoch
nicht, von wem. Das empört die Mutter und sie bittet die Erzählerin
nun darum, mit Genia zu sprechen. Genia äußert sich sehr
selbstbewusst über die Empörung ihrer Mutter: „Du sagst, das ist
gemein, Mutter, man soll sich nicht ohne Liebe hingeben, und ich
bringe dich mit meinem Zynismus zur Verzweiflung. Aber sage mir offen,
Mutter, wenn ich dein zwanzigjähriger Sohn wäre, der an der Front
gewesen ist und überhaupt selbständig lebt, würdest du auch
entsetzt sein, wenn er Verkehr mit Frauen hätte, die ihm gefallen?“
(S. 50f.). Genia empfindet keine hingebungsvolle und tiefe Liebe für
die Männer und entscheidet sich gegen die Schwangerschaft und das
Kind. Die Erzählerin fragt sich nach dem Gespräch mit ihr: „Ich
aber bleibe mitten im Zimmer stehen und suche die Antwort auf die
Frage: Wer hat in Zukunft Recht, - das Recht der neuen Klasse mit den
neuen Gefühlen, neuen Begriffen und neuen Anschauungen?“ (S. 65).

In der zweiten Erzählung „Schwestern“ erfährt die Leserschaft
von einer jungen verzweifelten Frau, die um Hilfe bittet. Sie
berichtet von ihrer Beziehung zu ihrem Mann, ihrer Arbeitslosigkeit
und dem verstorbenen Kind. Nachdem er mehrere Male betrunken und dann
auch mit einer Frau nach Hause kam, verzweifelte sie zunehmend an
dieser Verbindung. Eines Nachts spricht sie mit der jungen Frau, die
sich prostituieren muss, weil sie entlassen wurde und sich nicht zu
helfen weiß. Sie ist empört über das ausbeuterische und
unmoralische Verhalten ihres eigenen Mannes: „Wie durfte er es
wagen, die trostlose Lage einer Frau so auszunutzen? Er ist doch ein
einsichtsvoller Arbeiter mit Verantwortungsgefühl! … Statt einem
arbeitslosen Kameraden zu helfen, kauft er ihn! Kauft seinen Körper
zur eigenen Befriedigung! … Das war mir so ekelhaft, daß ich mir
sofort sagte: Mit einem solchen Menschen kann ich nicht länger
leben!“ (S. 84). Sie trennt sich von ihm und versucht selbstbestimmt
ihren Weg zu gehen.

In der dritten Erzählung „Wassilissa Malygina“ begegnet man der
starken Kommunistin und Arbeiterin Wassilissa Malygina, die sich für
die Rechte der Frauen einsetzt. „Weshalb sind Weiberangelegenheiten
weniger wichtig? Alle haben sich an diese Arbeit gewöhnt, daher kommt
das ‚Zurückgebliebensein‘ der Frau. Aber ohne Frauen kann man
keine Revolution machen.“ (S. 90). Sie arbeitet unaufhörlich für
ein Gemeindehaus und vermisst ihren Mann Wladimir schmerzlich. Als
sich die Gelegenheit ergibt zu ihm zu reisen, macht sie sich auf den
Weg und erinnert sich an die schwierigen Zeiten, die beide straucheln
ließen, aber auch an die guten, die sie verbinden. Als sie auf seinem
Gehöft ankommt, wundert sie sich über die luxuriöse Ausstattung
seines Hauses und kann nicht verstehen, weshalb er so verschwenderisch
lebt. „So ein Gehalt bekommst du? Monatlich? Ja wie darfst du es
dann als Kommunist für solchen Dreck verbrauchen, für lauter
Nichtigkeiten? Die Not wächst! Rund herum ist Not! Hunger! … Und
die Arbeitslosen? Hast du die vergessen?“ (S. 192). Hinzu kommt,
dass sie erfährt, dass Wladimir seit längerem eine Freundin hat.
Wassilissa ist hin- und hergerissen. Sie weiß nicht, was sie tun
soll. Zuerst ist sie erleichtert, als seine Geliebte den Ort
verlässt, spürt aber auch, dass ihre Beziehung zu Wladimir schon
lange nicht mehr so ist, wie sie mal war. Zunehmend spürt Wassilissa,
dass er sie nicht akzeptiert und sie wiederholt kritisiert und
beschimpft: „Wie ziehst du dich an? Die Stiefel sind abgetreten, der
Rock ist schmutzig, wie ein Weib aus dem Dorf kommst du mit dem Tuch
auf dem Kopf. Liederlich!“ (S. 348). Sie trennt sich von ihm, ist
sich aber ihrer bevorstehenden Aufgaben bewusster denn jemals zuvor
und beschließt selbstbestimmt ihr Leben in die Hand zu nehmen, auch
mit dem Kind, das unter ihrem Herzen wächst: „Ein Kindchen! Das ist
schön. Sie wird den andern Weibern ein Beispiel geben, wie man ein
Kind kommunistisch erzieht. Man braucht nicht eine Küche, eine
Familie und all den Plunder.“ (S. 396).

Text: Katrin Huhn

Achtung! Diskriminierender Begriff auf S. 216</dc:description>
                <dc:date/>
            </oai_dc:dc>
      </metadata>
    </record>
  </GetRecord>
</OAI-PMH>
