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                <dc:title>Die Waffen nieder! Eine Lebensgeschichte</dc:title>
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                <dc:creator>Suttner, Bertha</dc:creator>
                <dc:publisher>Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien</dc:publisher>
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                <dc:type>Online Ressource</dc:type>
                <dc:description>Die aus dem Adel stammende Bertha von Suttner, auch bekannt als
„Friedensbertha“, legte mit ihrem Antikriegsroman, der
autobiografische Züge trägt, eine richtungsweisende Schrift im
Hinblick auf die Entstehung und das Wirken internationaler
Friedengesellschaften vor, die sich ab Ende des 19. Jahrhunderts
verstärkt ausbildeten. Das Buch erschien 1889 im Dresdner Edgar
Pierson Verlag. Bertha von Suttner richtete mit ihrem realistisch
erzählten Roman einen Appell an den gesunden Menschenverstand, sich
konsequent Kriegshandlungen und den daraus resultierenden Folgen
entgegenzustellen. In ihrem Roman, der zu einem großen Welterfolg
wurde, zeigte sie all die Schrecken und das menschliche Leiden, auch
verursacht durch die miterlebten vergangenen Kriege, auf. Das Buch
löste auch ein breites Echo aus, weil Suttner nicht nur die
Friedensthematik, sondern auch die prekäre Stellung der Frau in der
Gesellschaft aufgriff.

Die Hauptprotagonistin Gräfin Martha Althaus erinnert sich an ihr
Leben, das durch vier Kriege maßgeblich beeinflusst wird und zieht
für ihre Darstellung ihre Notizbücher, die jahrelang geführten
„Roten Hefte“, heran. Aufgewachsen im wohlsituierten
österreichischen Adelsstand wird sie früh verheiratet und verliert
ihren noch jung angetrauten Ehemann im Krieg Österreichs gegen
Italien im Jahr 1859. Sie ist gerade mal 19 Jahre alt und bleibt
allein mit ihrem kleinen Jungen Rudolf. Als sie mit ihm in das Haus
ihrer Familie zurückkehrt, versucht der Vater, ein begeisterter
Militarist, ihr den Sinn des Krieges bei jeder Gelegenheit näher zu
bringen und auch die zukünftigen Pflichten ihres noch kleinen Sohnes
als Soldat werden ihr von allen Seiten angetragen.

In den folgenden vier Jahren beginnt sich Martha verstärkt zu bilden,
sie liest viel und baut ihre Geschichtsstudien aus, um die
Zusammenhänge zwischen aufkommenden politischen Auseinandersetzungen
und den daraus folgenden Kriegen zu verstehen. Rückblickend erinnert
sie sich: „Doch eines wurde mir auch schon damals klar: die
Geschichte der Menschheit wird nicht – wie dies die alte Auffassung
war – durch die Könige und Staatsmänner, durch die Kriege und
Traktate bestimmt, welche der Ehrgeiz der einen und die Schlauheit der
anderen ins Leben rufen, sondern durch die allmähliche Entwicklung
der Intelligenz. Die Hof- und Schlachtenchroniken, welche in den
Historienbüchern aneinander gereiht sind, stellen einzelne
Erscheinungen der jeweiligen Kulturzustände vor, nicht aber deren
bewegende Ursachen.“ (S. 25).

Auf ihren Gesellschaften, die sie zum Zweck der Diskussion und
Weiterbildung einrichtet, lernt sie Baron Friedrich Tilling kennen und
verliebt sich in ihn. Er ist kriegsmüde und teilt die Auffassung
über die Sinnlosigkeit von Kriegen. Vorsichtig äußert er sich in
der Gesellschaft gegenüber Marthas kriegsbegeisterter Tante mit den
folgenden Worten: „Das sind mir keine unbekannten Gefühle, meine
Gnädige. Von solchen beseelt, bin ich als neunzehnjähriger Junge zum
erstenmal zu Felde gezogen. Als ich aber die Wirklichkeit des
Gemetzels gesehen, nachdem ich Zeuge der dabei entfesselten
Bestialität gewesen, da war es mit meinem Enthusiasmus vorbei, und in
die nachfolgenden Schlachten ging ich schon nicht mehr mit Lust,
sondern mit Ergebung.“ (S. 53). Die beiden heiraten 1863, sie ist
wieder eine Soldatenfrau und erwartet bald ein zweites Kind.

Als sich der nächste Krieg anbahnt, schreibt sie 1864: „Hätte ich
voraussehen können, wie zwei Jahre später diese ganz deutsche
Verbrüderung in bitterste Feindschaft sich auflösen sollte; wie dann
der Preußenhaß in Österreich noch viel wütender angefacht würde,
als jetzt der Dänenhaß – so hätte ich damals schon erkannt, wie
ich das seither erkennen gelernt, daß die Motive, die als
Rechtfertigung der Feindseligkeiten angeführt werden, nichts als
Phrasen sind, Phrasen und Vorwände.“ (S. 70). Als ihr Mann in den
Deutsch-Dänischen Krieg zieht, verliert sie ihr Kind. Martha wartet
sehnsüchtig und voller Sorge auf die Rückkehr ihres Mannes, sie
liest seine Feldpostbriefe: „Mögen tausend andere auch anders
denken, oder doch anders zu sprechen sich verpflichtet dünken, ich
will, ich muß es noch einmal gesagt haben, ehʹ ich dem Krieg zum
Opfer falle: ich hasse den Krieg. Würde nur jeder, der das gleiche
fühlt, es laut zu verkünden wagen – welch ein dröhnender Protest
schrie da zum Himmel auf!“ (S. 83).

Ihr Mann kehrt aus dem Krieg zurück, Martha ist unaufhörlich damit
beschäftigt, dass ihr kriegsbegeisterter Vater nicht allzu großen
Einfluss auf ihren kleinen Sohn ausübt, „denn dieser war dazu
angetan, dem Kinde militärische Neigungen einzuflößen. Die Lust zu
diesem Berufe, zu welchem ich meinen Sohn durchaus nicht bestimmen
wollte, war ohnehin schon in ihm geweckt.“ (S. 104). 1866
dokumentiert Martha in ihren Notizheften akribisch genau das
Zustandekommen des nächsten Krieges und resümiert: „Der
aufrichtige, lodernde Feindeshaß, gepaart mit gänzlicher Verachtung
des menschlichen Lebens – das ist des Krieges Lebensnerv, gerade so
wie die fraglose Unterdrückung der Vernunft des Glaubens
Grundbedingung ist. Aber wir leben in einer Zeit der Vermittlung.“
(S. 121). Marthas Mann wird wieder eingezogen und sie beschließt, als
sie keine Feldpost mehr erhält, nach ihm zu suchen und den
Verwundeten in den Etappen zu helfen. Sie begleitet einen
Regimentsarzt und setzt den Ärzten und Helferinnen des Roten Kreuzes
ein Denkmal: „Frau Simon – sie nannten sie die
‚Lazarett-Mutter‘ – war eine Heldin. Wochenlang hatte sie in
jenen Gegenden geweilt und alle Drangsale und Gefahren ertragen.
Hunderte sind durch sie gerettet worden. Tag und Nacht arbeitete,
schaffte, befehligte sie. Bald verrichtete sie die demütigsten
Dienste an den Krankenlagern, bald kommandierte sie Transporte oder
requirierte Lebensmittel.“ (S. 147).

Baron Tilling kehrt unversehrt zurück, sie sehen sich wieder und sind
überglücklich. Andere Familienangehörige sind nach ihrer Rückkehr
im Freudentaumel und in heller Kriegs- und Kampfbegeisterung, Martha
begreift diese Zustände nicht: „Ich erinnere mich noch an den
eigentümlichen Eindruck, den es mir macht, als ich an jenem Tag den
Salon, in welchem die übrigen schon versammelt waren, betrat. Glanz,
Heiterkeit, vornehmer Luxus – die geputzten Frauen, die schmucken
Uniformen: welcher Kontrast zu den noch vor so kurzer Zeit gesehenen
Bildern von Jammer, Schmutz und Schrecken.“ (S. 163). Im Zuge des
Krieges breitet sich eine Choleraepidemie aus und Martha verliert ihre
beiden Schwestern sowie den an Herzversagen verstorbenen Vater. Die
kleine Familie flieht in die Schweiz, kehrt dann nach Österreich
zurück und gedenkt der vielen Toten am Allerseelentag 1866 bei
Königgrätz. Sie beziehen ihren Sitz in Berlin und Martha hat eine
Auseinandersetzung mit einem Pfarrer, der die Kriege verteidigt.

Im Anschluss daran unterhält sie sich mit ihrem Mann darüber:
„Überzeugung? – bist du dessen sicher? Glaubt er wirklich die
Wahrheit zu sprechen, oder betört er seine Soldatengemeinde
absichtlich, wenn er ihr den sicheren Sieg verspricht, durch den
Beistand eines Gottes, von dem er doch wissen muß, daß er von dem
Feinde gerade so angerufen wird? Diese Berufungen auf ‚unser
Volk‘, auf ‚unsere‘, als die einzig gerechte Sache, die zugleich
Gottes Sache ist, die waren doch nur möglich zu einer Zeit, da ein
Volk von allen übrigen Völkern abgeschlossen, sich für das einzig
Daseinsberechtigte, das einzig Gottgeliebte hielt. Und dann diese
Vertröstungen auf den Himmel, um desto leichter die Hingebung des
irdischen Lebens zu erlangen, alle diese Zeremonien – Weihen, Eide,
Gesänge – welche in der Brust des in den Krieg Befohlenen die so
beliebte ‚Todesfreudigkeit‘ – mir graut vor dem Worte –
erwecken sollen, ist das nicht – “ (S. 186). 1867 bekommen sie
eine kleine Tochter und drei Jahre später sieht sich die kleine
Familie wieder mit einem Krieg, dem Deutsch-Französischen,
konfrontiert. Sie leben in Paris und können die Kriegsbegeisterung
der französischen Bevölkerung kaum aushalten. Die Familie verharrt
in der Stadt und versucht zu überleben. Das französische Militär
vermutet in ihrem Mann einen preußischen Spion, er wird im Frühjahr
1871 standrechtlich erschossen.

Marthas Aufzeichnungen aus den Heften enden hier und 18 Jahre später
macht sie sich stark für die wachsende internationale
Friedensbewegung, indem sie resümiert: „Und auch Wache gibt es –
ganz helle Wache – welche die Menschheit aus dem langen Schlaf der
Barbarei erwecken wollen und tatkräftig, zielbewußt sich
zusammenscharen, um die weiße Fahne aufzupflanzen. Ihr Schlachtruf
ist: ‚Krieg dem Kriege‘, ihr Losungswort – das einzige Wort,
welches noch imstande wäre, das dem Ruin entgegenrüstende Europa zu
erlösen – heißt: ‚Die Waffen nieder!‘ – Allerorts – in
England und Frankreich, in Italien, in den nordischen Ländern, in
Deutschland, in der Schweiz, in Amerika – haben sich Vereinigungen
gebildet, deren Zweck es ist, durch den Zwang der öffentlichen
Meinung, durch den gebieterischen Druck des Volkswillens die
Regierungen zu bewegen, ihre zukünftigen Streitigkeiten einem –
durch sie selber vertretenen – internationalen Schiedsgericht zu
übermitteln und so ein für allemal an Stelle der rohen Gewalt das
Recht zu setzen.“ (S. 225). Im Sommer 1889 findet die erste
interparlamentarische Versammlung in Paris statt, die all jenen
Parlamentsangehörigen ein Forum zum Austausch bieten soll und von nun
an jedes Jahr stattfindet.

Text: Katrin Huhn</dc:description>
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