<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-stylesheet type="text/xsl" href="/assets/oai.xsl"?>
<OAI-PMH xmlns="http://www.openarchives.org/OAI/2.0/" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://www.openarchives.org/OAI/2.0/ http://www.openarchives.org/OAI/2.0/OAI-PMH.xsd">
  <responseDate>2026-03-13T10:57:29Z</responseDate>
  <request verb="GetRecord" metadataPrefix="oai_dc" identifier="oai:source-21.de">https://www.verbrannte-buecher.de/oai</request>
  <GetRecord>
    <record>
      <header>
        <identifier>oai:source-21.de</identifier>
        <datestamp>1900-01-01T00:00:00Z</datestamp>
      </header>
      <metadata>
        <oai_dc:dc xmlns:oai_dc="http://www.openarchives.org/OAI/2.0/oai_dc/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xsi:schemaLocation="http://www.openarchives.org/OAI/2.0/oai_dc/                  http://www.openarchives.org/OAI/2.0/oai_dc.xsd">
                <dc:language>de</dc:language>
                <dc:title>Hotel Amerika</dc:title>
                <dc:identifier>https://www.verbrannte-buecher.de/bibliothek/source-21</dc:identifier>
                <dc:creator>Leitner, Maria</dc:creator>
                <dc:publisher>Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien</dc:publisher>
                <dc:subject/>
                <dc:type>Online Ressource</dc:type>
                <dc:description>Die Werke der jüdischen Autorin, sozialkritischen Journalistin und
überzeugten Kommunistin standen früh auf den „Listen schädlichen
und unerwünschten Schrifttums“ der Nationalsozialisten. Als sie
1933 Deutschland verlassen musste, reiste sie im Jahr 1938 noch ein
letztes Mal mit österreichischen Personaldokumenten nach Deutschland,
um über die Verhältnisse im Land zu berichten. Ihr Roman
„Elisabeth, ein Hitlermädchen“, der 1937 in Fortsetzungen im
Pariser Exil erschien, enthüllt die von der NS-Ideologie durchzogenen
politischen und gesellschaftlichen Zustände in Deutschland.

Leitners moderner Reportage-Roman „Hotel Amerika“, der 1930 im
Berliner Neuen Deutschen Verlag erschien, ist das Ergebnis ihrer
Auftragsreise durch die USA in der Zeit zwischen 1925 und 1928. Sie
arbeitete in etlichen Städten in mehr als 80 unterbezahlten
Arbeitsstellen und verarbeitete hier ihre Erfahrungen. Die Perspektive
von unten macht diesen Roman so bedeutsam, denn die Leserschaft trifft
nicht, wie zunächst angenommen, auf die Gäste, sondern auf die
unzähligen Mitarbeitenden des Hotels, die Tag für Tag versuchen
über die Runden zu kommen. Eine von ihnen ist die junge Shirley, die
gemeinsam mit ihrer Mutter im Hotel angestellt ist und dort seit mehr
als sechs Jahren als Wäschemädchen arbeitet. Sie wünscht sich
nichts sehnlicher als diesen Ort endlich verlassen zu können und ein
gutes und sicheres Leben zu führen. Als sie am Morgen in dem beengten
und überfüllten Zimmer aufwacht, lässt sie verlauten, dass sie noch
am selben Tag das Hotel verlassen wird: „Und in dem Fahrstuhl, der
in die Wäscherei fährt, der langsam hinabsinkt in die Tiefe, zu den
erstickenden Dämpfen, denkt sie hoffnungsvoll: es ist heute zum
letztenmal, zum letztenmal hinab, - morgen schon wird sie steigen
…“ (S. 17).

Währenddessen sitzt ein junger deutscher Einwanderer namens Fritz
beim Vorsteher und hofft auf eine Anstellung im Hotel mithilfe seines
Freundes, der als Nachtwächter im Hotel arbeitet. „Er ist noch
nicht lange in Amerika. Anfangs fand Fritz lohnende Arbeit in seinem
Beruf als Dreher, Qualitätsarbeiter. In der Fabrik gab es bald
Kämpfe. Die Arbeiter versuchten, sich gewerkschaftlich zu
organisieren. Fritz war ganz dabei. Die Arbeiter merkten, daß er
etwas vom Organisieren verstand, - aber auch der Unternehmer! Er war
der erste, der gefeuert wurde.“ (S. 37f.). Fritz wird in der Küche
eingesetzt, in der alle ArbeiterInnen genauestens kontrolliert und
beobachtet werden. Die Arbeitsbedingungen sind unzumutbar, es gibt
kaum Sauerstoff, viel zu viele Menschen arbeiten in den unzähligen
Räumen des Hotels. Die Angestellten und ArbeiterInnen essen
hierarchisch getrennt voneinander: „Die Trennung erfolgt aber nicht
nur nach der Stellung, sondern auch nach den Geschlechtern und der
Rasse […]“ (S. 145). Und weiter: „Trotzdem atmet auch dieser
Saal noch eine gewisse Vornehmheit im Vergleich zu dem folgenden, der
Speiseanstalt für die Angestellten der niedrigsten Stufe. Hier essen
die Scheuerfrauen, die Stubenmädchen, die Wäscherinnen, die
Wäschereimädchen, natürlich nur die Weißen. […] Der Abwasch
befindet sich in der Nähe der Speiseausgabe. Er weist keinerlei neue
Errungenschaften auf. Vor ihm stehen vollkommen stumpf-müde
Einwanderer, die noch kaum ein englisches Wort kennen. Hier fangen
viele an, beim Abwasch.“ (S. 147). Die strenge Separierung der
einzelnen ArbeiterInnen und Angestellten ist gewollt, so kann es zu
keinen spontanen Zusammenkünften oder möglichen aufständischen
Handlungen kommen.

Als alle bemerken, dass sie verfaulte Kartoffeln zum Mittag vorgesetzt
bekommen, lehnt sich Shirley vor allen gegen den Direktor auf, ohne
Erfolg. Die Mitarbeitenden haben sich noch nicht solidarisch
zusammengefunden, um gemeinsam gegen die Verhältnisse aufzustehen und
zu handeln: „Wenn es darauf ankommt, ihnen begreiflich zu machen,
daß nur durch Ausdauer und Organisation etwas zu erreichen ist,
rücken sie einfach aus. Das kommt davon, weil wir hier alle so
provisorisch leben, und wenn wir auch fünfzig Jahre ein und dasselbe
tun. Alle glauben, morgen beginnen sie was anderes, fahren womöglich
zurück in die Heimat oder eröffnen ein Geschäft und werden reich.
Keiner will es wahrhaben, daß er doch gezwungen wird, denselben Dreh
sein ganzes Leben lang zu machen.“ (S. 156). Fritz ist beeindruckt
von Shirley und spricht sie an: „Ich hätte dich kaum wiedererkannt,
so anders hast du gesprochen als am Vormittag in der Küche. Wenn du
lernen wolltest, könntest du viel für die Arbeitenden tun. Du
könntest mithelfen, die Welt umzuwandeln. Es genügt noch nicht, zu
wissen, daß es uns dreckig geht, wir müssen auch den Weg finden, es
zu ändern.“ (S. 179f.). Shirley wünscht sich, dass sich etwas
ändert, denn: „Sind sie sich nicht alle gleich, die vielen
Mädchen, die sich plagen in der Wäscherei, in der Küche, in den
Korridoren, in den Wolkenkratzern ringsum, - plagen für diese
glänzende Statue, die wie ein Vampyr sich von allen Genüssen der
Nerven und des Geistes, von den vielen Freuden, zu denen das Geld der
Schlüssel ist, nährt!?“ (S. 243). Durch die Verzögerung in den
Essensräumen gerät der Zeitplan des Hotels durcheinander und die
Gäste beschweren sich zunehmend über noch nicht gereinigte Zimmer
und ausbleibende Botengänge. Die bevorstehende große Hochzeit im
Ballsaal lässt den Druck auf alle Bediensteten steigen.

Leitner beschreibt sehr deutlich und klar die großen Unterschiede im
Umgang mit den Arbeitenden, denn als die Kellner geschlossen
aufbegehren und mit einem Streik drohen, kommt man ihnen prompt
entgegen: „Von der Direktion kam die Parole: Alles bewilligen. Die
Kellner bekamen sofort ihre Zulagen ausbezahlt, man gab ihnen schnell
ein anständiges Essen und versprach sogar Verhandlungen über die
Union-Angelegenheit. Aber alle wußten, es war kein Friedensschluß,
es war nur der Anfang des Kampfes.“ (S. 277f.). Shirley jedoch wird
gekündigt, sie verlässt das Hotel noch am selben Tag. An ihrer Seite
ist Fritz, der ihr helfen und sie bilden wird. Sie verabschiedet sich
voller Zuversicht auf die Zukunft mit den folgenden Worten: „Einmal
wird das alles uns gehören, aber bis dahin müssen wir schwer
kämpfen. Was tut es? Ich bin ja jung und das ganze Leben steht noch
vor mir.“ (S. 314).

Text: Katrin Huhn

Achtung! Diskriminierende und rassistische Begriffe auf den folgenden
Seiten: S. 11f., S. 45f., S. 49f., S. 60, S. 93, S. 115, S. 117f., S.
123, S. 126, S. 145, S. 147, S. 152, S. 161, S. 239, S. 241f., S.
245-248, S. 281, S. 305</dc:description>
                <dc:date/>
            </oai_dc:dc>
      </metadata>
    </record>
  </GetRecord>
</OAI-PMH>
