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                <dc:title>Der 9. November</dc:title>
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                <dc:creator>Kellermann, Bernhard</dc:creator>
                <dc:publisher>Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien</dc:publisher>
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                <dc:type>Online Ressource</dc:type>
                <dc:description>Bernhard Kellermanns populärer Antikriegs- und Revolutionsroman
erfreute sich etlicher Auflagen und avancierte zum Bestseller, bis er
1933 verboten und verbrannt wurde. In diesem umfangreichen Berliner
Großstadtroman werden die gesellschaftlichen, sozialen und
politischen Folgen des Ersten Weltkrieges für die Menschen auf sehr
mitreißende Art verhandelt bzw. thematisiert. Darüber hinaus zeigt
Kellermann eindringlich und kritisch die verheerenden mentalen und
physischen Auswirkungen für die traumatisierten und körperlich
versehrten Soldaten auf. Ein breit angelegtes Figurentableau, vom
trauernden und verzweifelten Vater bis hin zum Kriegsgewinnler,
eröffnet den Lesenden ein vielstimmiges Bild dieser Zeit.

Der Roman, erstmals 1920 im Berliner S. Fischer Verlag erschienen,
spielt im Jahr 1917 und endet mit den revolutionären
Soldatenaufständen 1918. Beobachtungen der vom Krieg gezeichneten
Soldaten wie die folgende unterstreichen deutlich die abwehrende
Haltung Kellermanns zum deutschen Militarismus: „Sie waren ohne
eigenes Leben, ohne eigene Gedanken, ohne Namen, ohne Gesichter, ohne
Seele, von wenigen Auserwählten in Bewegung gesetzt und mit Leben und
Geist erfüllt. Sie waren mit einem Wort Soldaten, Werkzeug in der
Hand der Starken dieser Erde, die das Rad der Weltgeschichte
bewegten.“ (S. 13).

In umfangreichen Kapiteln begegnen die Lesenden Akteur:innen aus
unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen. Ranghohe Militärs
treffen bei abendlichen Veranstaltungen auf gelangweilte gutsituierte
Damen und plaudern, während der Blick in das Leben in den
Mietskasernen und auf die Straßen Berlins eine deutlich andere
Wirklichkeit zeigt. Da gibt es zum Beispiel Otto, den Sohn eines
Generals, der Angst davor hat in den Krieg zurückkehren zu müssen:
„Der Gedanke an die Front benahm ihm für einen Augenblick den Atem.
Die ganze Grausigkeit der Zone des Todes, in der es nur zerschossene
Gräben, eingeäscherte Dörfer, zersplitterte Wälder gab, legte sich
wie ein Alp auf seine Brust.“ (S. 38). Er schießt sich in die Hand,
um der erneuten Rekrutierung zu entkommen. Sein Vater, der General,
indes erhält einen Brief von einem Mann namens Herbst, dessen Sohn
Robert auf einem der Schlachtfelder getötet wurde. Er bittet um
Aufklärung des Todes und darum, ihm den genauen Ort mitzuteilen, wo
sein Sohn begraben ist.

Der vom Krieg traumatisierte Student namens Ackermann, ein
kriegsversehrter Heimkehrer, läuft durch Berlin und schaudert:
„Dies ist die Stunde, da die Gefangenen in all den hundert Lagern,
von Menschen errichtet, um Menschen gefangenzuhalten, noch einmal an
den Stacheldrähten entlangstreichen wie Tiere, bevor man sie in ihre
Höhlen zurückjagt, da die Hände von Hunderttausenden von gefangenen
Menschentieren sich verkrampfen um den kalten Draht. Ja, dies ist die
Stunde des schrecklichen Sterbens – in Flandern und Frankreich, in
Italien, Mazedonien und der Türkei, überall in dieser ganzen
verfluchten Welt. Dies ist die Stunde, da das Elend der ganzen Welt
sich vertausendfacht – da das Gespenst des menschlichen Elends sich
riesengroß über der Erde erhebt…“ (S. 195). Ackermann möchte
revoltieren und seine getöteten Kameraden rächen, dass ihr Tod nicht
umsonst gewesen war. Verzweiflung, Trauer und eine ungemeine
Kriegsmüdigkeit und -verdrossenheit umgeben den Großteil der
Romanfiguren. Herbst und Ackermann wohnen beide in
Mietskasernenwohnungen. In der Wohnung des Studenten trifft man sich
zu konspirativen Zwecken, Hähnlein, ein Freund Ackermanns, muss
wieder an die Front zurück: „Man hatte ihn wieder gemustert, und
morgen ging der Transport an die Front. Die ‚Mordkommission‘ war
in der Kaserne gewesen. Zurück, zur Front, abermals – ja, der
Granatsplitter, der ihm die Schädeldecke zertrümmert hatte, so daß
er keine Treppe steigen konnte, ohne sich am Geländer festzuhalten
– er zählte gar nicht. Und der Brustschuß, den er in Serbien
erhielt – auch er zählte nicht. Und dreimal in Frankreich, zweimal
in Rußland, in Serbien – all das zählte nicht.“ (S. 323f.).
Ackermann wünscht sich nichts sehnlicher als ein Ende des
Blutvergießens auf der Welt und er hofft auf solch eine Zukunft:
„Glückliche, gütige Menschen, ohne Mißtrauen, ohne Neid, ohne
Hochmut werden es bewohnen. Kein Mensch wird fortan der Unterdrücker
eines andern sein, kein Volk der Unterdrücker eines andern Volkes,
für immer ist die Zeit der Sklaverei dahin. Freiheit, Freundschaft,
Freude wird der Gruß des neuen Menschen lauten.“ (S. 343).

Die sozialen Unruhen werden in der Stadt immer augenscheinlicher. Der
General indes versucht sich von jeglicher Schuld freizusprechen, denn
gegen ihn steht eine Untersuchung an, die mit dem Tod des Sohnes von
Herbst zu tun hat. Gegenüber einem hohen Würdenträger versucht er
sich zu erklären, warum er in der Stadt und nicht auf den
Schlachtfeldern ist: „Der General aber erlaubte sich zu erwähnen,
daß auch hier in Berlin wichtige Arbeit zu leisten wäre. Es waren
gewisse Einflüsse am Werk, pazifistische, jüdisch-liberale,
radikalsozialistische Einflüsse, die zu bekämpfen waren. Der Wille
des gesamten Volkes mußte zusammengeballt und in eine Richtung
gelenkt werden, zu einer letzten gewaltigen Anstrengung.“ (S. 230).

Doch die Zeichen stehen anders, immer mehr verweigern sich den
Befehlen und rufen zu Aufständen auf, es brodelt in der Stadt:
„Horch! Die Stadt erbebt unter dem Tritt von Hunderttausenden. Über
den tausend Köpfen schwankt ein Plakat: Nicht schießen,
Kameraden!“ (S. 432). Die Revolution ist in vollem Gange, die hohen
Militärs, Beamten und Verantwortlichen versuchen zu fliehen. Die
Menschen auf den Straßen erheben sich für ein Ende des Krieges:
„Durch die Linden gleitet und schwankt eine Prozession, die alle
Blicke auf sich lenkt. Seht! Auf Krücken, auf Stelzfüßen schwingen
sie sich daher, Dutzende ohne das rechte Bein, Dutzende ohne das linke
Bein, Dutzende ohne Beine. Eine Anzahl wird von Kameraden auf Karren
geschoben, sie sind gelähmt. Scharen werden von Hunden geführt, sie
sind blind. Sie haben keine Hände, leere Ärmel in die Taschen
geschoben. Ihre armselige[n] Uniformen verbergen grässliche
Verstümmlungen. Seht, seht, ihr Menschen!“ (S. 447f.). Die
Aufstände zeigen Wirkung, am 9. November 1918 dankt der Kaiser und
somit die Monarchie, ab. Die erste demokratische Regierung wurde
gewählt und tritt in Kraft, der Beginn der so genannten Weimarer
Republik.

„Der 9. November“ wurde 2023 vom WBG Theiss Verlag neu aufgelegt
und veröffentlicht.

Text: Katrin Huhn

Achtung! rassistische und diskriminierende Begriffe auf den folgenden
Seiten: S. 146, S. 198, S. 208, S. 219, S. 231, S. 234, S. 243, S.
245, S. 250, S. 254, S. 258, S. 318, S. 354, S. 393, S. 445f.</dc:description>
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