» Kampf um das Studentenrecht

Der Hitler-Ludendorff-Putsch und die Beteiligung des Münchner HdA

Die Burschenschaftlichen Blätter stellten sich auf der Titelseite der Oktober/November-Ausgabe von 1923 hinter Hitlers und Ludendorffs Putschversuch.
Die Burschenschaftlichen Blätter stellten sich auf der Titelseite der Oktober/November-Ausgabe von 1923 hinter Hitlers und Ludendorffs Putschversuch.

Die rechten Studenten hatten sich 1923 in der Frage der Verfassung der Deutschen Studentenschaft durchgesetzt und sahen sich nun in ihrem offensiven Kurs bestätigt. Als am 8. und 9. November 1923 Adolf Hitler (1889-1945) und Erich Ludendorff (1865-1937) in Bayern gegen die Regierung Gustav von Kahrs (1862-1934) putschten, beteiligte sich auch der Münchner Hochschulring deutscher Art. Es war ein faschistischer Putsch gegen eine bereits verfassungswidrige bayrische Notstandsregierung unter dem rechtskonservativen Gustav von Kahr (1862-1934), der mit den Faschisten kooperiert hatte, um – aus Protest gegen den Abbruch des „Ruhrkampfs“ gegen die französisch-belgische Besetzung und unter Missbrauch des Artikels 48 der Verfassung – Bayern ökonomisch und politisch von der Weimarer Republik abzulösen. Nachdem die Reichswehr im Oktober 1923 auf Befehl des Reichspräsidenten Friedrich Ebert gegen die SPD/KPD-Regierungen in Thüringen und Sachsen einmarschiert war und sie für ›abgesetzt‹ erklärt hatte, forderten die SPD-Minister im Kabinett Gustav Stresemanns (DVP) ›ihren‹ Reichskanzler dazu auf, auch gegen Kahr in München vorzugehen. Stresemann hatte abgelehnt, die SPD-Minister traten daraufhin zurück, und am 8. November 1923 putschten nun Hitler und Ludendorff gegen ihren früheren Bündnispartner in München.

Tags darauf erschien in der Deutschen Hochschul-Zeitung ein Leitartikel von Ludendorff („Die völkische Bewegung“), der das Hakenkreuz im Titel trug. In der Oktober/November-Ausgabe der Burschenschaftlichen Blätter, dem Zentralorgan der Burschenschaften, bedauerte Schriftleiter Edgar Stelzner das Scheitern des Hitler-Ludendorff-Putschs. Er sei der Versuch gewesen, so Stelzner, „eine revolutionäre Regierung der deutschen Freiheit zu bilden.“ Stelzner war zwei Jahre zuvor Vorsitzender des Deutschen Hochschulrings gewesen und machte, ungeachtet seiner öffentlichen Stellungnahme, in der Weimarer Republik als Staatsanwalt und im Faschismus als Richter Karriere.

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