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Max Brod (1884-1968)

Max Brod (geb. 1884 in Prag; gest. 1968 im Exil in Tel Aviv) ist vor allem als Biograph und Herausgeber der Werke von Franz Kafka bekannt. Die herausragende Leistung seiner eigenen belletristischen Werke, wie die der gesamten Prager deutschen Literatur, findet heute kaum noch Beachtung. Nach seinem Jurastudium, das er 1907 mit der Promotion abschloss, trat Brod zunächst eine Teilzeitstelle bei der Prager Postdirektion an. Parallel dazu entfaltete er seine literarische Arbeit. 1908 erschien der Roman „Schloß Nornepygge“, der von der Kritik als expressionistisches Meisterwerk gefeiert wurde. Ähnlich wie Lion Feuchtwanger verarbeitete Max Brod in seinen Romanen mit Vorliebe Stoffe und Personen der jüdisch-abendländischen Geschichte, um darin Antworten auf die strittigen Fragen jüdischer Identität zu finden. Brods zionistische Überzeugung, zu der er sich 1920 u.a. in den Schriften „Sozialismus und Judentum“ und „Im Kampf um das Judentum“ programmatisch äußerte, ist auch in seinen Romanen spürbar. Ein Meisterwerk aus der Trilogie „Ein Kampf um die Wahrheit“ ist der 1925 erschienene Roman „Rëubeni. Fürst der Juden“. Darin erzählt Brod die Geschichte der jüdischen Abenteurer David Reubeni (1485-1538) und Salomon Molcho (1500-1532), die zu ihrer Zeit von vielen Juden in Europa als Messias verehrt wurden. Im sechsten Kapitel beschreibt Brod das jüdische Leben im Prag der Renaissance. Schon damals wurden Juden in Ghettos eingepfercht und dazu gezwungen, sich durch gelbe Flicken auf ihrer Kleidung kenntlich zu machen.

von Werner Treß