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Kurt Eisner (1867-1919)

Kurt Eisner (geb. 1867 in Berlin; gest. 1919 in München) war ein sozialistischer Schriftsteller, Publizist, Politiker (USPD) und vom 8. November 1918 bis zu seiner Ermordung am 21. Februar 1919 erster Ministerpräsident des Freistaates Bayern.
Als Sohn eines deutsch-jüdischen Fabrikanten wuchs Eisner in Berlin auf, wo er ab 1886 Philosophie und Germanistik studierte. Der Politik wandte er sich erst zu, nachdem er für einen kritischen Zeitungsartikel wegen „Majestätsbeleidigung“ neun Monate Haft absitzen musste. Auf Betreiben von Wilhelm Liebknecht, über den er 1900 eine Biographie veröffentlichte, wurde Eisner 1898 Redakteur bei der sozialdemokratischen Zeitung „Vorwärts“ und trat der SPD bei. Innerhalb der Sozialdemokratie war Eisner keineswegs von Anbeginn dem linken Parteiflügel zuzuordnen. Während der programmatischen Richtungskämpfe zwischen dem revolutionär-marxistischen Flügel um Karl Kautsky und dem reformerisch-revisionistischen Flügel um Edurad Bernstein, unterstütze Eisner die Positionen des letzteren. Weil sich innerhalb der Vorwärts-Redaktion jedoch die Anhänger Kautskys durchsetzten, musste Eisner 1905 die Redaktion verlassen. 1907 ging er als Chefredakteur zur sozialdemokratischen „Fränkischen Tagespost“ nach Nürnberg, von wo er 1910 nach München zog. Dort engagierte sich weiterhin für die SPD und verdiente seinen Lebensunterhalt als freier Journalist und Schriftsteller.
Bei Ausbruch des Weltkrieges 1914 zählte Eisner noch zu jenen Sozialdemokraten, die die Zustimmung zu den Kriegskrediten durch die SPD-Reichtagsfraktion unterstützten. Nachdem er sich jedoch eingehend mit den Ursachen und dem Verlauf des Krieges beschäftigte, wandelte sich Eisner ab 1915 zu einem leidenschaftlichen Kriegsgegner und verschob seine politischen Koordinaten innerhalb der SPD nach links. 1917 nahm Eisner an der Gründungsversammlung der „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (USPD) teil und verschaffte ihr in München eine wachsende Basis. Im Januar 1918 beteiligte er sich an der Organisation eines Streiks der Münchener Munitionsarbeiter, wofür er bis kurz vor Kriegsende nochmals inhaftiert wurde. Am 7. November 1918 führte er in München eine Großdemonstration an. In der Nacht zum 8. November rief Eisner während der ersten Tagung des Münchener „Arbeiter- und Soldatenrates“ die Republik Bayern bzw. den Freistaat Bayern aus. Als Bayerischer Ministerpräsident stand Eisner nun für 100 Tage einer Regierung aus USPD- und SPD-Ministern vor, die jedoch keine weitreichenden Beschlüsse fassen konnte, zumal die USPD bei den bayerischen Landtagswahlen im Januar 1919 mit 2,5 % der Stimmen ihr Regierungsmandat verlor.
Als Eisner am 21. Februar 1919 durch den nationalistischen Studenten Anton Graf von Arco auf Valley erschossen wurde, befand er sich gerade auf dem Weg zur konstituierenden Sitzung des Bayerischen Landtages, um dort die Regierungsgeschäfte zu übergeben. Das Attentat auf Kurt Eisner war eine der Ursachen für die darauf folgenden heftigen politischen Auseinandersetzungen unter anderem während der Münchener Räterepublik im April und Mai 1919.

von Werner Treß