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Lion Feuchtwanger (1884-1958)

Lion Feuchtwanger (geb. 1884 in München; gest. 1958 im Exil in Los Angeles) ist zweifellos einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Obwohl oder gerade weil er sich während seines Studiums von der jüdisch-orthodoxen Prägung seines Elterhauses löste, handeln Feuchtwangers Werke vorwiegend von Geschehnissen und Personen der jüdischen Geschichte. 1907 promovierte er mit einer Arbeit über die Erzählung Der Rabbi von Bacherach von Heinrich Heine und betätigte sich danach – unterbrochen vom Kriegsdienst – als Dramaturg und Theaterkritiker. Als Schriftsteller erlangte Feuchtwanger mit seinem 1925 veröffentlichten Roman „Jud Süß“ größere Bekanntheit. Den Stoff über das Schicksal des Württembergischen Geheimen Finanzrates Joseph Süß Oppenheimer (1692-1738) hatte Feuchtwanger bereits 1917 in einem Drama verarbeitet.
Wie in Jud Süß setzt Feuchtwanger sich auch in seinem Romanzyklus über den jüdisch-römischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus (ca. 38-101 n. Chr.) mit dem Widerstreit vieler Juden zwischen dem Versuch kosmopolitischer Lebensentwürfe in der Diaspora und der Sehnsucht nach nationaler Selbstbestimmung auseinander. Im ersten Band seiner Josephus-Trilogie mit dem Titel Der jüdische Krieg berichtet Feuchtwanger über die brutale Unterdrückung des jüdischen Unabhängigkeitskampfes durch die Römer und darüber, wie aus dem Priester und Anführer der jüdischen Aufständischen Joseph Ben Matthias nach seiner Gefangennahme durch die Römer schließlich der römische Bürger Flavius Josephus wird. Als Vertrauter des römischen Kaisers Vespasian erhält Flavius Josephus den Auftrag die Geschichte des jüdischen Krieges niederzuschreiben – „den Heutigen zur Erinnerung, den Späteren zur Warnung.“

von Werner Treß