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Karl Grünberg (1891-1972)

Karl Grünberg (geb. 1891 in Berlin; gest. 1972 in Berlin) zählt neben Ludwig Turek („Ein Prolet erzählt“), Hans Marchwitza („Sturm auf Essen“) und Klaus Neukrantz („Barrikaden im Wedding“) zu den idealtypischen kommunistischen Autoren der Weimarer Republik. In Berlin aufgewachsen, fand Grünberg nach einigen Stationen als Hilfsarbeiter eine Anstellung als Chemietechniker. Er besuchte die Berliner Arbeiterschule und trat 1911 der SPD bei. 1919 wechselte er zur USPD und 1920 schließlich zur KPD, für deren Zentralorgan „Die Rote Fahne“ er zeitweise als Redakteur tätig war.
„Unsterbliche Opfer, ihr sanket dahin, ….“ Mit dem Text des Grabgesangs auf die Gefallenen der internationalen Arbeiterbewegung, eröffnet Karl Grünberg seinen 1928 erschienen Roman „Brennende Ruhr“. Das historische Szenario des Kapp-Putsches 1920 und die Kämpfe der „Roten Ruhrarmee“ gegen die Reichswehr- und Freikorps-Verbände versucht Grünberg auf knapp 400 Seiten anhand der Erlebnisse seiner fiktiven Figur „Ernst Sukrow“ nachzuerzählen – und zwar aus proletarischer Sicht.
In seinem Geleitwort zum Roman wendet sich Johannes R. Becher präventiv gegen die zu erwartenden Einwände der Literaturkritik: „Er hat nicht die gepolsterte Ruhe, um seine Sätze zu feilen und zu biegen, sie vibrieren und klingen zu lassen. Roh und ungeschlacht kommt er daher, haut und fetzt Worte hin, manche Gestalten sind unausgeglichen, nur leidliche Bruchstücke.“ Sogar Thomas Mann äußerte sich positiv zu Grünbergs „Brennende Ruhr“. Tatsächlich wirken die politischen Dialoge des Romans mitunter statisch und einfältig. Den Betrachtungen Grünbergs ist anzumerken, dass ihm der Erlebnisraum seines Romans nicht vertraut war.

von Werner Treß