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Walter Hasenclever (1890-1940)

Walter Hasenclever wurde am 8.Juli 1890 als Sohn des Arztes Friedrich Hasenclever in einem großbürgerlichen Haushalt geboren. Schon seine Geburt war von einem Schicksalsschlag überschattet, denn die Mutter wandte sich von dem gerade geborenen Säugling ab. Auch das Verhältnis zum Vater stand unter keinem guten Stern, da dieser auch vor der Misshandlung des Sohnes nicht zurückschreckte, um seine erzieherischen Ziele durchzusetzen. Auf Wunsch des Vaters begann er 1908 ein Jurastudium in Oxford, wechselte aber bereits im zweiten Semester nach Lausanne. Als er 1909 sein Studium in Leipzig fortsetzte, wechselte er sehr zum Verdruss seines Vaters in die Fächer Kultur- u. Literaturgeschichte, Sprachwissenschaften, Pädagogik und Philosophie.
Sein früh gewecktes Interesse für Dichtung und Literatur führte dazu, dass bereits 1910 sein erster Gedichtband „Städte, Nächte und Menschen“  erschien. Zusammen mit anderen jungen Schriftstellern begründete er einen literarischen Freundeskreis, der sich in der Folge als entscheidender Motor des Expressionismus entwickeln sollte. Auf die Veröffentlichung vieler Gedichte folgte 1914 mit „Der Sohn“ eines der ersten großen expressionistischen Dramen, das sich als konstituierend für diese Gattung herausstellte. Darin verarbeitete er Erlebnisse aus der Kindheit und brachte seinen Protest gegen eine strenge Vätergeneration zum Ausdruck. Mit den Schriften Nietzsches aufgewachsen und dem Willen eine neue Gesellschaft hervorzubringen, meldete er sich, wie viele andere seiner Generation, begeistert zum Kriegsdienst. Doch bereits erste Frontbeobachtungen und -erlebnisse traumatisierten ihn so sehr, dass er binnen kurzem zum absoluten Kriegsgegner und Pazifisten wurde. Dennoch wurde er eingezogen, um in Belgien und an der Ostfront eingesetzt zu werden. Gleich nachdem er an die Front gekommen war, begann er eine psychische Erkrankung zu simulieren (Vatermord-Syndrom), die ihm aber erst 1917 zur ersehnten Dienstunfähigkeit verhalf. Im selben Jahr wurde seine schriftstellerische Tätigkeit während des Krieges mit dem Kleistpreis für das Drama „Antigone“ gewürdigt, in dem er die Barbarei des Krieges und der Despotie anprangerte.
1919 trat Hasenclever mit seiner Flugschrift „Der politische Dichter“ und den dazugehörigen Gedichten erneut ans Licht der Öffentlichkeit, um andere Schriftsteller zu politischer Aktivität aufzufordern. Während dieser Zeit lebte er in Dresden und Berlin. Paul Wegener beeinflusste ihn in den Folgejahre dahingehend, dass er sich der Mystik und dem Okkultismus wandte und er zum Mitherausgeber der Zeitschrift „Menschen. Zeitschrift neuer Kunst“ avancierte. Bis 1928 war er für zahlreiche Zeitungen tätig und schrieb Essays und Feuilletons. Zu seinen Freunden während dieser Zeit zählten unter anderem Kurt Tucholsky und Jean Giraudoux. Sein Aufenthalt in Frankreich brachte ihn mit der französischen Komödie in Kontakt, was ihn dazu bewog, selbst Komödien zu schreiben. „Ein besserer Herr “ (1926) und „Ehen werden im Himmel geschlossen“ (1928) wurden beide außergewöhnliche Erfolge, brachten Hasenclever aber auch einen Prozess wegen Gotteslästerung ein. Seit 1929 reiste er sehr viel durch Europa und Afrika und begann auch für Metro-Goldwyn-Mayer Drehbücher zu schreiben.
Mit der Machtübernahme Hitlers wurden auch Hasenclevers Werke verboten, so dass er sich genötigt sah, ins Exil zu gehen. Nach Aufenthalten in Jugoslawien, Italien und England ging er 1938 zurück nach Südfrankreich. Sein Wunsch sich dem Widerstand anzuschließen, endete mit seiner Internierung und nur die Fürsprache Giraudoux’ bewirkte seine Freilassung. 1940 wurde er aber erneut interniert und nahm sich bei Anmarsch der deutschen Truppen am 20. Juni 1940 mit einer Überdosis Veronal das Leben.

Bibliographie

Städte, Nächte und Menschen (1910), Lyrikband
Der Jüngling (1911),Lyrikband
Das unendliche Gespräch (1913), Gedichtband
Der Sohn (1914), Drama
Der Retter, Antigone, Die Pest (1915-17), Dramentrilogie
Die Menschen (1918), Mysteriendrama
Swedenborg-Nachdichtungen (1924), mystische Schriften
Kulissen (1927), Komödie
Ehen werden im Himmel geschlossen (1928), Komödie
Napoleon greift ein (1929), Drama
Christoph Kolumbus oder Die Entdeckung Amerikas (1931), Komödie
Der Froschkönig (1931/32), Komödie
Sinnenglück und Seelenfrieden (1933), Drama
Münchhausen (1934), Drama
Konflikt in Assyrien (1938), Dramendichtung
Die Rechtlosen (1939/40), Roman
Zahlreiche Aufsätze, Filmdrehbücher, Essays u. Gedichte