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Magnus Hirschfeld (1868-1935)

Magnus Hirschfeld wurde als Sohn eines jüdischen Sanitätsarztes am 14.05.1868 in Kolberg (Pommern) geboren. 1887 begann er das Philosophie- und Philologiestudium in Breslau, entschied sich aber bereits im selben Jahr für ein Medizinstudium in Straßburg. Er promovierte 1892 („Über Erkrankungen des Nervensystems im Gefolge der Influenza“) in Berlin. Nach einer mehrmonatigen Reise durch Amerika eröffnete Hirschfeld eine naturheilkundliche Arztpraxis in Magdeburg. Im Jahr 1896 zog er nach Berlin-Charlottenburg und gründete dort eine Praxis als Spezialarzt für Hydrotherapie. Zwischen 1896 und 1900 arbeitete er als Redakteur bei der „Wochenschrift für naturgemäße Lebens- und Heilweise, der Hausdoctor“. 1896 erschien sein erstes sexualwissenschaftliches Werk „Sappho und Sokrates oder Wie erklärt sich die Liebe der Männer und Frauen zu Personen des eigenen Geschlechts?“. In dieser Schrift bezeichnete Hirschfeld die Homosexualität als einen angeborenen Trieb, entgegen dem § 175 RStGB, der Homosexualität als widernatürliche Unzucht begriff und ihn unter Strafe stellte. Um die Streichung des Paragraphen durchzusetzen, gründete er 1897 das Wissenschaftlich-hunanitäre Komitee (WhK) und verschickte Aufklärungsbroschüren an Richter, Staatsanwälte und Sachverständige. In den nächsten Jahren veröffentlichte er eine Reihe von Schriften über die Sexualität. Ab 1908 gab er die „Zeitschrift für Sexualwissenschaft“ heraus. Zudem war er Mitbegründer der Berliner Zweiggruppe der Wiener Psychologischen Vereinigung sowie 1913 bei der „Ärztlichen Gesellschaft für Sexualwissenschaft und Eugenik“. Während des ersten Weltkriegs diente Hirschfeld als Lazarettarzt in einem Gefangenenlager bei Ruhleben.

Nach Kriegsende gründete er die „Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft“. Im Jahr darauf eröffnete er das Institut für Sexualwissenschaft in Berlin. Trotz der wachsenden Anerkennung der Sexualkunde als Wissenschaft stand Hirschfeld immer wieder im Mittelpunkt der Kritik. Nach einem Vortrag in München 1920 wurde er von „völkischen“ Studenten attackiert und erlitt schwere Verletzungen. Ab 1921 wurde auf seine Initiative die „Internationale Tagung für Sexualreform auf sexualwissenschaftlicher Grundlage“ (zunächst in Berlin) veranstaltet. Ein Jahr später hielt Magnus Hirschfeld eine Rede im Deutschen Reichstag. Auf Einladung der Regierung der UdSSR reiste er 1926 nach Moskau und Leningrad. Weitere Internationale Tagungen für Sexualreform führten ihn u.a. nach Kopenhagen, London und Wien. 1928 wurde ferner die „Weltliga für Sexualreform“ gegründet. 1930 brach er in die USA auf, bereiste dann Japan, China, Indien und Ägypten und schließlich Israel. Die Reise endete in Wien. 1932 ging er ins Exil nach Ascona/Schweiz.

Das Institut für Sexualwissenschaft wurde 1933 von den Nationalsozialisten zerstört. Hirschfelds Schriften wurden bei den Bücherverbrennungen vernichtet. Dazu äußerte sich der Verleger Adolf Brand wie folgt:„hierbei waren nicht allein rein sachliche Motive ausschlaggebend, sondern überwiegend antisemitische Tendenzen und Vorurteile, die weniger den homosexuellen Vorkämpfer, als den homosexuellen Juden treffen wollten“1. 1934 versuchte Hirschfeld in Paris das Institut neu zu gründen. Nach dem Fehlschlagen dieser Unternehmung ging er nach Nizza. Dort verstarb er am 14. Mai 1935.

von Anica Petrovic und Nadine Kupfer

 


1 Auszug aus einem Brief des homosexuellen Verlegers Adolf Brand vom 29. November 1933. In: Homosexualität in der NS-Zeit. Dokumente einer Diskriminierung und Verfolgung. Hrsg. v. Günter Grau. Fischer Taschenbuch Verlag GmbH. Frankfurt am Main. 1993. S. 64.

Literatur

Magnus Hirschfeld – Leben und Werk. Ausstellungskatalog aus Anlass seines 50. Todestags. 2. erweiterte Auflage. Von Bockel Verlag. Hamburg. 1992.

Auszug aus einem Brief des homosexuellen Verlegers Adolf Brand vom 29. November 1933. In: Homosexualität in der NS-Zeit. Dokumente einer Diskriminierung und Verfolgung. Hrsg. v. Günter Grau. Fischer Taschenbuch Verlag GmbH. Frankfurt am Main. 1993. S. 64.

Homepage der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Wichtige Veröffentlichungen

Berlins drittes Geschlecht (1904)
Geschlechtsübergänge (1905)
Vom Wesen der Liebe (1906)
Die Transvestiten (1910)
Naturgesetze der Liebe (1912)
Die Homosexualität des Mannes und des Weibes (1914)
Sexualpathologie (1917, bis 1920 3 Bände)
Geschlechtskunde (1926, bis 1930 5 Bände)
Empfängnisverhütung (1928, mit Richard Linsert)
Sexualgeschichte der Menschheit (1929, mit Bernd Götz)
Liebesmittel (1930, mit Richard Linsert)
Sittengeschichte des Weltkriegs (mit Andreas Gaspar, 2 Bände, 1930)
Die Weltreise eines Sexualforschers (1931/32)
Racism (1938 in engl. Sprache erschienen)