» K (Kafka – Kusmin)

Edlef Köppen (1893-1939)

Einige Autoren, die auf der „Schwarzen Liste“ von Dr. Hermann zur Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 standen, sind heute höchstens noch Literaturwissenschaftlern ein Begriff. So verhält es sich auch mit Edlef Köppen (1893-1939), der mit seinem Antikriegsroman Heeresbericht auf dieser „Schwarzen Liste“ aufgeführt war.
Edlef Köppen wurde am 01. März 1893 in Genthin (Sachsen) als Sohn eines praktischen Arztes geboren. Er besuchte das Gymnasium in Potsdam und studierte von 1913-14 in Kiel, dem Herkunftsort seiner Mutter, Germanistik. Dann wechselte er zum Sommersemester 1914 an die Ludwig-Maximilians-Universität nach München und setzte dort sein Germanistikstudium bis zum Kriegsbeginn fort.
Am 15. August 1914 meldete er sich, wie viele seiner Zeitgenossen, als Freiwilliger zu den Waffen und nahm von 1914-1918 am Ersten Weltkrieg teil. Er war Frontkämpfer in Frankreich (1914-1916) und Russland (1917), zeitweise befand er sich auch im Lazarett, insgesamt drei Mal. Ursache dafür war wohl eine Lungenquetschung, die er sich durch eine Verschüttung während eines Angriffs zugezogen hatte. 1918 wurde er als Leutnant der Reserve mit dem Eisernen Kreuz entlassen. Die erste Veröffentlichung Köppens fiel in das Kriegsjahr 1915: in der expressionistischen Zeitung Die Aktion erschien unter seinem Namen ein fünfzeiliges Gedicht mit dem Titel Loretto.
Ab dem Sommersemester 1919 setzte er sein Germanistikstudium in München fort und besuchte auch Veranstaltungen in Kunstgeschichte und Philosophie. Ende des Jahres 1920 wurde Köppen Lektor im Gustav Kiepenheuer Verlag in Potsdam. Im darauf folgenden Jahr heiratete er Hedwig (genannt Hete) Witt, die er 1917 kennen gelernt hatte.
Beruflich wechselte er im Oktober 1922 zum Berliner Verlag Trowitsch & Sohn. Im Mai 1923 gründete er seinen eigenen, den Hadern Verlag. Die letzte bekannte Veröffentlichung in seinem Verlag erschien 1924. Im selben Jahr wurde seine Tochter Gabriele geboren und es wurde Die Histori von ein trocken Schiffsfahrt veröffentlicht. Ab 1925 war Köppen Mitarbeiter der Berliner Rundfunksendestelle Funkstunde. Im selben Jahr erschien seine Erzählung Der Bericht, Rückblende, Standortsuche und Ausblick eines Dichters und trägt autobiographische Züge. 1930 erschien der Roman Heeresbericht im Horen Verlag. Mit der Rundfunksendung Wir standen vor Verdun vom 21. Februar 1931 erregte Köppen Verärgerung beim Reichswehrministerium und im Überwachungsausschuss. Nach der Machtergreifung 1933 wurde er fristlos entlassen und der Heeresbericht wurde verboten (1935 durch den Polizeipräsidenten in Leipzig beschlagnahmt und eingezogen).
Der 1933 zum Propagandaminister ernannte Joseph Goebbels verhielt sich Köppens Heeresbericht gegenüber zunächst nicht ablehnend. Er schlug Köppen vor, den Schluss des Buches umzuarbeiten, so dass der Roman als kriegsbejahendes Werk der nationalsozialistischen Propaganda dienen könne. Köppen lehnte ab.
Er zog 1933 von Potsdam nach Wilhelmshorst und es erschien Vier Mauern und ein Dach, worin Köppen humoristisch seinen Hausbau in Wilhelmshorst verarbeitete. Ende des Jahres wurde er Mitarbeiter der Tobis Europa Film AG, ab 1936 war er dort Chefdramaturg. Er lehnte es ab, der NSDAP beizutreten und weigerte sich, pro-nazistische und antisemitische Filme in das Programm der Tobis Europa Film AG aufzunehmen. 1938 erkrankte er schwer, eine Spätfolge seiner früheren Lungenquetschung und starb am 21. Februar 1939 in Gießen.
Edlef Köppen ist ein Autor, dessen Werk die charakteristischen Züge jener Schriftsteller trägt, die vom Expressionismus kamen, sich der Neuen Sachlichkeit zuwendeten und durch die politischen Umstände in die sogenannte ‚Innere Emigration‘ getrieben wurden. Die Besonderheit von Köppens Werk liegt unter anderem darin, dass es die Möglichkeit bietet, die für die Weimarer Republik typische Auseinandersetzung von Rundfunk und Literatur von einer spezifischen Warte aus betrachten zu können.

von Anne Milachowski