» L (Lampel – Luxemburg)

Ludwig Lewisohn (ca. 1882-1955)

Lewisohn, dessen Geburtsjahr trotz zahlreicher offizieller Dokumente nicht genau datiert werden kann, wurde zwischen 1881 und 1884 in Berlin geboren und kam achtjährig als Kind deutscher Auswanderer nach Charleston, South Carolina. Die Familie konvertierte zum Christentum, obwohl Lewisohns Mutter die Tochter eines Rabbiners war. Als er seine akademische Laufbahn als Dozent beginnen wollte, wurde er mit antijüdischen Tendenzen konfrontiert, was ihn wiederum veranlasste, sich dem Judentum zuzuwenden. Anfang der zwanziger Jahre lebte Lewisohn in Paris und traf dort bei Diskussionen und Trinkgelagen James Joyce, Upton Sinclair, Sinclair Lewis und Thomas Mann. In diese Zeit fällt sein beginnendes Interesse für den Zionismus (1925 bereiste er Palästina). Mehr und mehr befasste sich Lewisohn mit jüdischen Traditionen und Themen. Dieser Aspekt seines Lebens spiegelt sich auch in seinen Werken wider. Lewisohn hatte zwar beruflichen Erfolg, sein Privatleben aber war ein einziger Trümmerhaufen.
Am Ende seines Lebens hatte er drei Scheidungen hinter sich. 1949 geriet er in die Kritik, weil er den Kontakt zu einem früheren homosexuellen Partner wieder aufnahm, der wegen Nazipropaganda verurteilt wurde. Dennoch konnte Lewisohn seine akademische Laufbahn retten. 1948 war er Gründungsmitglied der Brandeis University in Massachusetts, an der er bis zu seinem Tod 1955 als Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft lehrte.

von Marlen Böhme