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Heinrich Mann (1871-1950)

Heinrich Mann (geb. 1871 in Lübeck; gest. 1950 im Exil in Santa Monica/USA) verstand es wie kein anderer Autor seiner Zeit, das wilhelminische Deutschland und seine besonderen Charaktere literarisch zu portraitieren und zu parodieren. Bereits mit seinem 1904 erschienen Roman „Professor Unrat“, worin er die bornierte Boshaftigkeit eines Gymnasiallehrers gegenüber seinen Schülern beschreibt, sorgte Heinrich Mann in seiner Heimatstadt Lübeck für einen Skandal.
Im Juni 1933 begründeten die NS-Zensoren vom „Kampfbund für deutsche Kultur“ das Verbot seiner Bücher mit den erstaunlichen Worten: „Ressentiment-erfüllter Schriftsteller, der seine grosse Begabung dazu benutzt, das nationale Deutschland lächerlich zu machen; z.T. auch zersetzend.“ Bei allem ideologischen Hass mochten also selbst einige Nationalsozialisten Heinrich Mann nicht sein literarisches Talent absprechen. Sein Talent war auch das Einzige, was ihm noch blieb, nachdem er bereits im Februar 1933 aus der Preußischen Dichterakademie geworfen und ins Exil getrieben worden war.
Umso ärgerlicher ist es, dass Heinrich Mann heute oft allzu schnell im direkten Vergleich mit seinem feinen Bruder Thomas abgewertet wird. Es handelt sich doch – Brüder hin oder her – um Autoren, die ihre gemeinsamen Erlebnisräume aus der Kindheit und Jugend literarisch höchst unterschiedlich verarbeitet haben. Bis heute stören sich viele Leser an Heinrich Manns Mut zum politisch pointierten Urteil, so auch in seinem Roman „Der Untertan“, den er 1914 fertig stellte und erst 1918 veröffentlichen konnte. Als „das Herbarium des deutschen Mannes“, bezeichnete Kurt Tucholsky dieses Meisterwerk: „Hier ist er ganz: in seiner Sucht, zu befehlen und zu gehorchen, in seiner Rohheit und in seiner Religiosität, in seiner Erfolganbeterei und in seiner namenlosen Zivilfeigheit.“ Diesen Typus beschreibt Heinrich Mann anhand der Figur des Diederich Heßling und arbeitet dabei ein literarisches Portrait heraus, das dem des Kaisers Wilhelm II. immer ähnlicher wird.
Dafür haben die NS-Studenten und die Burschenschaften Heinrich Mann natürlich besonders gehasst. Am Scheiterhaufen auf dem Berliner Opernplatz schrie am 10. Mai 1933 ein NS-Student: „Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat!“ und warf unter Ausrufung seines Namens die Werke von Heinrich Mann in die Flammen.

von Werner Treß