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Arnold Zweig (1887-1968)

Arnold Zweig wurde am 10. November 1887 als Sohn des jüdischen Sattlermeisters Adolf Zweig in Glogau (Schlesien) geboren und besuchte dort zehn Jahre lang die Oberrealschule. Von 1907-1914 studierte er an den Universitäten von Breslau, München, Berlin, Göttingen, Rostock und Tübingen unter anderem Germanistik, moderne Sprachen (Englisch und Französisch), Philosophie, Psychologie, Kunstgeschichte und Nationalökonomie. In der Breslauer Studienzeit schrieb er den Fragment gebliebenen, nicht mehr erhaltenden Musikerroman „Die Stationen des Johannes Grimm“. Seinen ersten Erfolg erzielte er 1912 mit den „Novellen um Claudia“. Nachdem er seinen Einberufungsbefehl erhalten hatte, nahm er 3 Jahre lang (1915-1918) am ersten Weltkrieg teil und war zunächst Armierungssoldat in Belgien, Südungarn, Serbien und Verdun, was er als harte und undankbare Arbeit bezeichnete. Außerdem bestimmte er diese Zeit als die schwerste seines Lebens, in der alle seine Illusionen von Ehre und Kriegsruhm zerrannen. 1916 heiratete er seine Cousine, die Malerin Beatrice Zweig. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor. 1923 wurden er und seine Familie wegen einiger Artikel in der Weltbühne und seiner öffentlichen Beiträge gegen den Antisemitismus von bayrischen Faschisten aus ihrer Wohnung am Starnberger See vertrieben. Er zog nach Berlin.
Infolge der Entbehrungen im Weltkrieg brach eine Augentuberkulose aus, auch nach der Behandlung blieb Zweigs Sehfähigkeit stark eingeschränkt. 1926 trat er dem PEN-Club bei und diktierte im gleichen Jahr den pazifistischen und gesellschaftskritischen Roman „Der Streit um den Sergeanten Grischa“, mit dem er Weltruhm erlangte. Der Roman handelt von einem russischen Sergeanten, der 1917 aus deutscher Kriegsgefangenschaft entflieht, aber von den Deutschen wieder gefasst wird und sich daraufhin als russischer Überläufer ausgibt. Er weiß nicht, dass die Deutschen aus Prinzip jeden Überläufer umbringen und auch er wird erschossen. Zweig hatte sich jahrelang für einen „zionistischen Sozialismus“ engagiert und publizistisch die Schaffung einer palästinensischen Heimstätte für diejenigen Juden unterstützt, die sich in ihren Geburtsländern nicht zu assimilieren vermochten. 1932 schrieb er die Novelle „De Vriendt kehrt heim“. Sie handelt von einem holländischen Dichter, Jakob Israel de Haan, der unter anderem homosexuelle Beziehungen zu jungen Arabern unterhält. 1933 verließ Zweig Berlin und emigrierte nach Südfrankreich, nach Sanary-sur-mer, wo er unter anderem auf seinen Freund Feuchtwanger sowie auf Thomas und Heinrich Mann, Brecht, Schickele, Herzog und Toller traf. In diesem Kreis fanden gesellige Feste statt, man las sich gegenseitig vor, führte leidenschaftliche Diskussionen und erörterte aktuelle politische Vorgänge. In jenen Monaten stellte er den Novellenband „Spielzeug der Zeit“ zusammen und arbeitete an der „Bilanz der deutschen Judenheit“ (1934), einem „notwendigen Kampfbuch“ und groß angelegten antifaschistischen Essay. Er unterschätzte die Nazis und war der Ansicht, ein „Parteiheer“ habe ein „gesittetes Land“ überfallen und eine „geistige Seuche“ eingeschleppt. Er sah damals in Hitler einen hochgradig Nervenkranken. 1933 wurde Zweig als Zionist, Sozialist und Pazifist auf die Liste der für Deutschland schädlichsten Autoren gesetzt. 1936 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Daraufhin reiste er nach Palästina weiter und ließ sich dort für vierzehn Jahre nieder. 1948 ging er über Prag in die sowjetische Besatzungszone. Er starb am 26. November 1968 in Berlin.

von Bettina Pflug