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Jakob Wassermann (1873-1934)

Jakob Wassermann (geb. 1873 in Fürth; gest. 1934 in Altaussee/Österreich) gehörte bis zum Verbot seiner Bücher durch die Nationalsozialisten zu den meistgelesenen deutsch-jüdischen Schriftstellern. Nach abgebrochener Lehre, kurzem Militärdienst und einigen Wanderjahren wurde Wassermann 1894 vom Schriftsteller und Komponisten Ernst von Wolzogen als Sekretär eingestellt. Wolzogen machte ihn mit dem Verleger Albert Langen bekannt, bei dem Wassermann 1896/97 seine ersten beiden Romane „Melusine“ und „Die Juden von Zirndorf“ veröffentlichte. Seine psychologische und oft moralisierende Erzählweise verband Wassermann häufig mit historischen Stoffen, so im 1908 erschienenen Roman „Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens“. Die Inspiration durch den russischen Romancier Fjodor Dostojewski zeigt sich vor allem im 1919 erschienenen Entwicklungsroman „Christian Wahnschaffe“, worin Wassermann die Wandlung des Sohns eines reichen Industriellen vom verschwenderischen Leben hin zu einem von karitativer Arbeit und Nächstenliebe geprägten Lebensentwurf beschreibt.
Anders als bei Lion Feuchtwanger oder Joseph Roth war Wassermanns Einstellung zum Judentum von besonderer Ambivalenz geprägt. Insbesondere im Frühwerk finden sich Textstellen, die von äußerster Distanz gegenüber dem traditionellen jüdischen Leben, wenn nicht gar von „jüdischem Selbsthass“ zeugen. Über den Wandel seines Selbstverständnisses hat Wassermann in der 1921 veröffentlichten Autobiographie „Mein Weg als Deutscher und Jude“ berichtet.

von Werner Treß