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Bertha von Suttner (1843-1914)

Bertha von Suttner wurde am 9. Juni 1843 als Komtesse Bertha Kinsky in Prag geboren. Aufgewachsen im aristokratischen Umfeld der österreichisch-ungarischen Monarchie mit ihrem militärischen Hintergrund, deren Offiziere es als höchstes Glück und Lebensziel empfanden, für ihre Fürsten auf dem „Felde der Ehre“ kämpfen zu dürfen, hat Bertha von Suttner schon als junge Frau sich selbst und anderen die Frage gestellt, ob die Menschen nicht zu Besserem fähig seien, als Kriege zu führen. Damit war vermutlich der Grundstein gelegt für ihre spätere Entwicklung von der Literatin zur bedeutsamsten Persönlichkeit in der internationalen Friedensbewegung des 19. Jahrhunderts.
Bertha von Suttner schrieb zunächst vorwiegend unpolitische Unterhaltungsromane. Erst durch einen Besuch bei Alfred Nobel im Winter 1886/87 kam sie in Berührung mit der „International Arbitration and Peace Association“, deren Hauptanliegen ein internationales Schiedsgericht war, das mit der Lösung zwischenstaatlicher Konflikte beauftragt werden sollte – eine absolut visionäre Idee für die damalige Zeit, die nicht vor 1919 ihre Umsetzung mit der Gründung des Völkerbundes fand. Der Kontakt mit der organisierten Friedensbewegung war entscheidend für Bertha von Suttners politischen Werdegang. Als Folge änderte sich nun auch der Themenschwerpunkt ihres literarischen Schaffens von der Unterhaltungsliteratur hin zum politisch motivierten Schreiben.
1888 erschien ihr Buch „Maschinenalter“, das sich mit dem „Missbrauch technischen Fortschritts zu militärischen und nationalistischen Zwecken“ befasst. 1889 erschien ihr meistgelesenes Werk „Die Waffen nieder!“, ein Antikriegsroman, mit dem sie eine möglichst breite Schicht der Bevölkerung zu erreichen suchte. Die Besonderheit dieses Romans liegt in der Darstellung des Krieges als Negativerlebnis, der mit Tod, Leiden und Schmerz viel enger verknüpft ist als mit Vaterlandsliebe und Triumph. Der Erfolg ihres Romans, der thematisch in die Stimmung der Zeit passte und die Friedensbewegung positiv beeinflusste, machte sie zur führenden Persönlichkeit der Friedenspolitik. Ihr emanzipatorisches Durchsetzungsvermögen, das es ihr ermöglichte, als Frau die Fragen der Weltpolitik zu beeinflussen, wurde von Berühmtheiten wie Alfred Nobel und Lew Tolstoj bewundert und anerkannt.
Die Fortschrittlichkeit ihres Denkens bewies Bertha von Suttner u.a. mit der Voraussage von Massenvernichtungswaffen. Um der Aufrüstung der Staaten weiter entgegenzuwirken, gründete sie 1891 die „Österreichische Gesellschaft der Friedensfreunde“ und im Jahr darauf die „Österreichische Friedensgesellschaft“. 1892 erschien die Zeitschrift „Die Waffen nieder! Monatsschrift zur Förderung der Friedensidee“. In der Tradition des pazifistischen Gedankens verfasste sie mit dem Erstarken des Antisemitismus in den 1880er Jahren eine Gegenschrift zum antijüdischen Manifest von 1882 in Dresden. Ihr Ehemann Arthur Gundaccar von Suttner gründete den „Verein zur Abwehr des Antisemitismus“.
Es ist wohl nicht verwunderlich, dass die Nationalsozialisten die Literatur dieser emanzipierten und humanistisch orientierten Frau verfemten. Ihr Engagement für ein ausgeglichenes Machtverhältnis in der Welt, das einzelne Staaten davon abhalten sollte, Minderheiten oder andere Staaten anzugreifen, stand im direkten Gegensatz zum diskriminierenden Rassenkatalog der Nationalsozialisten. Ihre Toleranz und ihre Selbstbestimmtheit in einer von Männern dominierten Welt ließ sie gefährlich werden für die Etablierung eines menschen- und frauenverachtenden Staates durch die Nationalsozialisten.
1905 wurde Bertha von Suttner  mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ihr besonderes Engagement für die Friedenspolitik und für die Frauenbewegung währte ein Leben lang.

von Bettina Böttcher