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Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz (1929)

Cover von Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz" von 1930. Der Roman erschien ein Jahr zuvor im Fischer Verlag.
Cover von Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ von 1930. Der Roman erschien ein Jahr zuvor im Fischer Verlag.

Der Roman „Berlin Alexanderplatz“ erschien 1929 und wurde zum einzigen großen Erfolg Alfred Döblins (1878–1957), der auch nach 1933 nicht endete. In den vier Jahren bis zur Bücherverbrennung verkaufte sich der Roman in Deutschland bereits 50.000 Mal und erschien als Hörspiel- sowie Filmfassung. Der erste bedeutende deutsche Großstadtroman spielt, wie der Titel bereits verrät, in der Hauptstadt der Weimarer Republik. Berlin – die Stadt, in der Döblin von seiner Kindheit bis zum Exil (1933) lebte und in der er sowohl als Arzt als auch als Publizist für verschiedene linke Zeitungen und Schriftsteller wirkte.
Die Hauptfigur des Werkes ist Franz Biberkopf, dessen Lebensweg in den Jahren von 1927 bis 1929 geschildert wird. Mit der Entlassung aus der Haftanstalt Tegel, in der er wegen Totschlags seiner Geliebten vier Jahre inhaftiert war, beginnt die Handlung. Der Leser erfährt von dem festen Entschluss Biberkopfs, von nun an anständig zu bleiben, den er zunächst als Zeitungshändler und Hausierer auch verwirklicht. Dann jedoch wird er von einem Freund und Kollegen betrogen und ist in solchem Maß enttäuscht vom Leben und den Menschen, dass er sich gehen lässt und anfängt zu trinken. Er besinnt sich wieder auf seinen Entschluss, gerät dann jedoch in schlechte Gesellschaft. Seine Freundschaft mit Reinhold, Mitglied einer Verbrecherbande, wird ihm zum Verhängnis: Er nimmt, ohne es zunächst zu wissen, an einem Einbruch teil. Sein Freund wirft ihn auf der Flucht, angetrieben durch Misstrauen und Wut, aus dem Auto. Biberkopf wird schwer verletzt, verliert seinen rechten Arm und fühlt sich ein zweites Mal „vom Schicksal gebeutelt“. Doch statt das an ihm begangene Verbrechen anzuzeigen und sich von dem Milieu zu distanzieren, möchte er sich der Bande anschließen – mit dem Gedanken, dass sich die Anständigkeit nicht ausgezahlt hat und um sich und den anderen seine Stärke zu beweisen. Beharrlich, fast blind, geht er diesen Weg, hört nicht auf andere und provoziert so das nächste Unglück: Mieze, seine Geliebte, die bis dahin ein Lichtblick in seinem Leben war, wird von Reinhold ermordet. Es folgen die Verhaftung Franz Biberkopfs und sein Aufenthalt in der Irrenanstalt, in der er langsam zu Grunde zu gehen scheint. Der Leser vermutet zunächst seinen Tod, doch Franz Biberkopf wird durch die Erkenntnis seiner Schuld und durch Reue als neuer, besserer Mensch „wiedergeboren“.
Eingerahmt ist die Handlung um Franz Biberkopf durch eine dynamische Darstellung der Großstadt, deren Tempo und Chaos sich im Erzählstil wiederfinden. Döblin reiht unterschiedlichste kurze Szenen aus der Wirklichkeit aneinander. Zudem stehen amtliche Publikationen, Zeitungsberichte, Fahrpläne, Soldatenlieder u. ä. neben den Dialogen und Monologen der Haupthandlung. Diese wiederum sind im Berliner Jargon verfasst, so dass der Leser in die Welt der Proletarierviertel der Hauptstadt mit hineingerissen wird.

von Susanne Pautz