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Ilja Ehrenburg: Das Leben der Autos [10 PS] (1930)

Das Buch ist insgesamt in sieben Kapitel unterteilt, welche im folgenden näher beschrieben werden. Bei jedem Kapitel handelt es sich um eine beinahe eigenständige in sich abgeschlossene Geschichte, wobei die einzelnen Kapitel jedoch durch das große Thema ‚Autos‘ doch irgendwie miteinander verbunden sind.

Kapitel 1: „Die Geburt des Autos“

1799 meldet Phillipe Lebon in Paris ein Gas zum Patent an, mit dem seiner Idee nach in hundert Jahren die Menschen von selbst fahrende Wagen betreiben sollen. 1898 ist in Paris „fin de siècle“. Das Automobil rattert über die Straßen und wird von Träumern und  verhinderten Nordpol- Expediteuren der Gefahr und der “infernalischen“ Geschwindigkeit von bis zu vierzig Stundenkilometern wegen gefahren. Der amerikanische Autobauer Ford übt im Park vor Schwalben eine Rede an mögliche Mitinvestoren für seine Fabriken.

Kapitel 2: „Das laufende Band“

Produktionsprozess in den Citroen- Werken in Frankreich. Die Arbeiter sind zu geistlosen Teilen der Maschinerie geworden. Beschreibung der Gedankenwelt von Citroen selber anhand der Beschreibung seiner Spielsucht. Er ist selbst Teil des Produktionsprozesses und hat nicht mehr die Kontrolle über sein Tun. Alles was zählt, ist weiterzuspielen. Citroen verteilt an fünftausend Agenten im Land die Aufgabe, das Automobil unter die Leute zu bringen. Er sieht seine Mission darin, jedem Menschen eines zu beschaffen. Werbung, Ausbreitung und Vermarktung der Automobile. Eine Führung durch das Werk: dabei staunen die Menschen über die großen Pressen und die Wunder der Technik, welche zeitgleich einem Arbeiter die Finger zerquetschen. Zum Schluss werden sie zum Kauf  angehalten. Das Problem der älteren Arbeiter. Vidal, 44 Jahre alt, wird gefeuert und stirbt auf dem Armenfriedhof, nachdem er acht Jahre lang Pleuelstangen geschraubt hat. Die Käufer der Autos sind ebenso Opfer wie die Hersteller, ebenfalls ein Teil des „laufenden Bandes“. Citroen will seinen Einfluss erweitern und geht an die Börse. Dann lässt er General Motors Teilhaber werden, um Ford in Amerika etwas entgegensetzen zu können. Er ist kein Spieler mehr, nur noch eine Karte.

Kapitel 3: „Reifen“

Kautschukgewinnung in Brasilien und Indochina. Opfer sind die Kulis und die Bäume, erstere sterben „mit einem Lächeln“, letztere bluten langsam den Kautschuk aus. Der Churchill- Plan: es soll Kautschuk zurückgehalten werden, um den Preis wieder in die Höhe zu treiben. Churchill, ebenfalls ein Spieler, wird von den Amerikanern als „Bolschewik“ beschimpft. Derweil sterben die Kulis in Indochina. Duell Churchill gegen Hoover. Ein „englischer Gentleman“ gegen einen „amerikanischen Quäker“. Hoover will südliche Länder einnehmen, um nicht auf britische Kautschuklieferungen angewiesen zu sein. Der Krieg in Nicaragua. Hoover führt ihn des Kautschuks wegen, General Sandino glaubt an den geistigen Adel und will „Vaterland und Freiheit“ verteidigen. Das Michelin-Männchen. „Das ist der neue Tod.“ Die Führer der Welt sind besessen vom Kautschuk, Hoover hat ihn in seinen Gedanken, Churchill im Herzen.

Kapitel 4: „Eine dichterische Abschweifung“

Streik in Paris. „Hier stimmt man für die Kommunisten“, träumt aber dennoch von Spiegelschränken. Die Streikenden wollen eine Fabrik stürmen, einer wird dabei von einem Ingenieur namens Lafosse erschossen. Geschichte des toten Arbeiters, André Sabatier. Sabatier wird vorübergehend zum Helden der Arbeiterbewegung, Lafosse ändert seinen Namen und lebt in Angst. Gerichtsverhandlung. Lafosse wird in allen Punkten freigesprochen.

Kapitel 5: „Benzin“

Die mittlerweile automobilgesättigte Gesellschaft benötigt Benzin wie Luft zum Atmen. Treffen der Ölkonzernchefs Deterding (Royal Dutch), Teagle (Standard Oil New Jersey) und Cadman (Anglo- Persian). Deterdings Lebensgeschichte, seine Ansicht “Die Welt muss organisiert werden“. Deterding will das russische Erdöl und drängt die britischen Politiker zu einer „kriegerischen Note“. Die Macht im Kreml soll unterminiert werden. Rakowski, bulgarischer Diplomat, wird von den Franzosen aufgrund von Deterdings Einfluss ausgewiesen. In der französischen Abgeordnetenkammer wird das Erdöleinfuhrgesetz verabschiedet, welches Frankreich die Macht über das Öl quasi aus den Händen nimmt und es abhängig von England macht. Henry Deterding hat die Schlacht gewonnen und führt in den Straßen von Delft ein Gespräch mit dem Tod.

Kapitel 6: „Börse“

Börse in Paris. Eine von Herrn Aubert künstlich geschürte Hochphase für Citroen-Aktien. Lebensgeschichte des Herrn Aubert: Ein ehemaliger Revolutionär, der jetzt die Welt kaufen will. Auch hier ist das Spiel das einzige, was ihn noch bewegt, mit dem finanziellen Erfolg kommt die Abstumpfung: „mein Herz ist versteinert“. Ein Herr Sandou will seinen Plan vereiteln. Der Kontorist Jean Rene versucht, Geld für seine kranke Frau durch Spekulationen zu ergaunern. Er scheitert, sie stirbt, er wird gefeuert. Das Ende des Herrn Aubert: Dieser hat sich verschätzt und in Herrn Sandou einen mächtigeren Gegenspieler gefunden. Er bringt sich um, sehr zum Verdruss seines auf Geld versessenen Dieners. Die Gefühllosigkeit des Spiels wird nochmals verdeutlicht, als Herr Sandou sich ebenfalls umbringt, weil kurze Zeit später der Citroen-Kurs wieder zu hoch steigt, als dass er sein zu Auberts Plan konträr laufendes Vorhaben ausführen könnte.

Kapitel 7: „Fahrten“

Karl Lang, Chauffeur bei der „Berlinia“- Autobetriebs-A. G. befördert Fahrgäste. Schicksale derselben sind immer irgendwie mit dem Auto verknüpft und damit, dass Zu-spät-Kommen katastrophale Auswirkungen hat. Das Auto wird vorgestellt als das Mittel, welches die Menschheit endgültig ausrotten soll, indem es die Menschen selbst in Maschinen verwandelt und ihnen die Selbstzerstörung vorgibt. Italien. Mussolini gegen Matteoti, letzterer ein Sozialist, der Reden schwingt. Mit dem Auto kann seine Leiche bequem vor die Tore Roms gebracht und verscharrt werden. Ein Juwelier namens Mestorino tötet einen Makler, der Schulden eintreiben will. Beim Prozess geifert die Menge der „guten Menschen“ nach dem Tod des Mannes. „Liebes“- Geschichte zwischen einem russischen Naptha- Förderer und seiner Freundin. Der mit dem Auto gekommene Zeitgeist tötet ihre Liebe. Die Geschichte des Rentners Bernard, der glücklich zu Hause lebt, bis er durch das Kino anfängt zu träumen und die Welt bereisen will. Er kauft sich ein Auto, welches ihn bei der ersten Fahrt umbringt.

von Christian Lipowsky