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Stefan Zweig: Der Kampf mit dem Dämon (1925)

Der Kampf mit dem Dämon erschien 1925 als der zweite Band in der literarischen Essayreihe Baumeister der Welt. Das Buch enthält biographisch-psychologische Skizzen der drei Autoren Hölderlin, Kleist und Nietzsche. Zweig versteht es dabei, eine gemeinsame Dämonie des künstlerischen Schaffens herauszuarbeiten. Der Dämon erscheint als Wesenszug der menschlichen Seele, der das Individuum hineintreibt in die Maßlosigkeit der Gefühle und die absolute Hingabe an die Leidenschaft menschlichen Strebens. Die Besessenen erscheinen dadurch als ruhelos Getriebene in einer von ihnen unverstandenen Welt. Hölderlin, der rastlose Lyriker, der sich stets bis hin zur Selbstaufgabe forderte, Kleist, der Dramatiker, fasziniert von Tod und Moral, Nietzsche, der sich wie kaum ein anderer in den Tiefen und Abgründen der Philosophie verlor: sie alle werden in Der Kampf mit dem Dämon zu den Antagonisten des 19. Jahrhunderts. Als ihr Gegenüber erscheinen die Helden des ‚deutschen Geistes‘ und Meister der Klarheit: Kant, Schiller und natürlich Goethe.
Dennoch gelingt es Zweig, die vermeintlich Verdammten als wahre Heroen menschlicher Innerlichkeit darzustellen, für deren Weiterentwicklung und Veredelung sie sich gewissermaßen selbst opferten. Es entsteht ein gefühlvoller Einblick in die Welt des Geistes. Einem Chirurgen gleich führt Zweig den Leser ein in die Anatomie des inneren Kampfes mit den Kräften der Psyche. Die Widmung zu Beginn des Buches: „Professor Sigmund Freud […] dem anregenden Gestalter diesen Dreiklang bildnerischen Bemühens“, verdeutlicht, wie groß der Einfluss der Psychoanalyse und des Professors aus Wien, mit dem Stefan Zweig ein freundschaftliches Verhältnis pflegte, auf dieses Buch waren. 

von Axel Metzler