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Frank Leonhard: Der Mensch ist gut (1919)

Franks Novellensammlung Der Mensch ist gut entstand während des Ersten Weltkriegs und hat auch diesen zum Thema. Nachdem er 1914 großen Erfolg mit seinem Roman Die Räuberbande hatte, floh der radikale Kriegsgegner Frank 1915 aus Berlin und ging nach Zürich, wo er seine Novellen, da sie in Deutschland verboten worden waren, schrieb und veröffentlichte. Das Buch Der Mensch ist gut bestehend aus fünf Novellen, die das Schicksal eines Vaters, einer Kriegswitwe, einer Mutter, eines Liebespaars und eines Kriegskrüppels in Kriegszeiten auf sehr nachhaltige Weise darstellen, ist in erster Linie ein Schuldeingeständnis. „Es gibt heute in Europa keinen Menschen mehr, der nicht ein Mörder wäre! … Wir sind verblendet und Mörder, weil wir den Gegner außer uns suchen und zu finden glaubten. Nicht der Engländer, der Franzose, der Russe und für diese nicht der Deutsche, sondern in uns selbst ist der Feind.“
Der Vater, von Beruf Kellner, der den Verlust seines Sohnes zu beklagen hat, ruft zur „Revolution der Liebe“ auf. Die Witwe, deren Mann auf dem „Feld der Ehre“ starb, die Mutter, deren Sohn auf dem Schlachtfeld Selbstmord beging, und der Kriegskrüppel, der die Amputation beider Arme und Beine überlebte, sie alle stellen hier – nach innerer Einkehr und Überwindung des Hasses – die treibenden Kräfte zur Revolution dar. „Das Nichtvorhandensein der Liebe ist der Feind und die Ursache aller Kriege. Ganz Europa weint, weil ganz Europa nicht mehr lieben kann.“ Sie stehen hier nicht als Einzelschicksale, sondern als Vertreter einer Gruppe; denn dies wird immer wieder betont: es sind Millionen, die ihr Schicksal teilen. Frank stellt in seinem Buch Der Mensch ist gut ein Ideal dar, indem der Mensch einen inneren Lernprozess vollzieht und durch die Wiederentdeckung seines Geistes zur Liebe zurückfindet.
Nach dem Krieg kehrte Frank nach Deutschland zurück und bekam, nachdem seine Novellen 1918 im Verlag Kiepenheuer veröffentlicht wurden, 1920 den Kleist-Preis verliehen. In den 20er Jahren wurden u. a. Romane wie Das Ochsenfurter Männerquartett, Karl und Anna, Der Streber und Die Ursache veröffentlicht. 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, ging Frank über Zürich und London nach Paris und später in die USA in seine zweite Emigration. Am 3. November 1934 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, somit blieb er bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland 1950 staatenlos. 1952 wurde sein autobiographischer Roman Links wo das Herz ist veröffentlicht. Für seine Werke erhielt Frank u. a. den Nationalpreis der DDR und das Verdienstkreuz der BRD. Er starb 1961 in München.

AutorIn: unbekannt

Literatur

Hay, Gerhard: Leonhard Frank, Selbstzeugnisse und Aussagen 1882-1982. Würzburg 1982. Frank, Leonhard: Der Mensch ist gut. Leipzig 1974.