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Henri Barbusse: Die Henker (1926, dt. 1927)

Henri Barbusse wurde im Jahre 1873 in Frankreich geboren. Im Jahre 1903 schrieb er den Roman „Die Hölle“, durch den er bekannt wurde. Mit 41 Jahren meldete er sich 1914 als Freiwilliger zum Kriegsdienst an der Front, obwohl er wehrdienstuntauglich war. Er war der Meinung, „der Krieg [sei]gerecht“. Aber die Jahre im Schützengraben machten ihn zum überzeugten Kriegsgegner. Er wurde wegen der Ruhr im Lazarett untergebracht und verfasste dort sein erfolgreichstes und bekanntestes Werk „Das Feuer“ – ein Tagebuch über die Gräuel des Krieges, das in 50 Sprachen übersetzt wurde. Er wurde 1916 dafür mit dem Prix Congourt ausgezeichnet. 
Er schrieb auch eine Biographie über Stalin. 1923 trat er in die kommunistische Partei Frankreichs ein. Er gründete mehrere Zeitschriften und Komitees gegen den Faschismus, gegen die Unterdrückung der Völker und der Minderheiten. Er war auch einer der Begründer der Internationalen Hilfe. Bis zum Tode setzte er sich für Frieden ein. Er starb 1935 in Moskau während der Arbeiten des 7. Weltkongresses der III. Internationale. 
„Die Henker“ ist eine Reportage, ein Bericht über die Situation auf dem Balkan in den 20er Jahren. Henri Barbusse war mit zwei Kollegen auf den Balkan gegangen, um die Verhältnisse dort miterleben zu können und die Wahrheit über diese zu enthüllen. Henri Barbusse sah eine Mission und sogar seine Pflicht darin, diese sehr detaillierte Untersuchung niederzuschreiben. So konnte er die Leser wachrütteln, damit sie sich der Grausamkeiten, Gewalttaten, Ungerechtigkeiten und Verfolgungen bewusst wurden. 
Barbusse hat ein Vorwort für die deutsche Ausgabe geschrieben, in dem er sich direkt an die Deutschen und Österreicher wandte und ihnen für die mitgeteilten Informationen und die Zusammenarbeit dankte. 
In seinem Bericht beschreibt er zunächst die schreckliche Lage in Rumänien, wo es u. a. eine wirtschaftliche Krise gab. Die Ausbildungssituation habe sich sehr verschlechtert, ebenso die Wohnverhältnisse. Die Korruption gewinne an Bedeutung und es fänden keine demokratischen Wahlen statt, schildert er die Lage. So sei es auch in Ungarn und Bulgarien. Das Budget für Militär und Polizei nehme aber zu. Es seien repressive Staaten geworden. Dann betont er die effiziente Organisation und Bedeutung des Militärs und geht auf das Problem der Zensur und der Verbreitung des Antisemitismus auf dem Balkan ein. Ab dem Kapitel „Völker am Kreuz“ listet Barbusse die Einzelheiten der Verfolgungen, der Mordtaten und Attentate auf. Zehntausende Menschen seien ums Leben gekommen. Er kritisiert des Weiteren die von den Regierenden durchgeführte Politik, die sich gegen die Frauen, die Jugend, die Lehrer und Intellektuellen richtete. Frauen würden vergewaltigt, „geprügelt“, getötet; Jungen und Lehrer ermordet, die Schulen geschlossen. Er spricht sogar von Konzentrationslagern und Deportation. 
Der Vorwand für die Regierungen sei die Bekämpfung des Bolschewismus, obwohl einzig und allein die Regierungen selbst für die schlimme Lage ursächlich verantwortlich seien. 
Nachdem sich Rumänien nach dem 1. Weltkrieg verdoppelt habe, verfolge es Minderheiten. In Siebenbürgen seien Verhaftungen, Razzien und Wahlterrorismus üblich geworden. In Bessarabien würden Massenmorde „organisiert“ die Juden verfolgt und ausgeplündert, Pogrome fänden statt. Am Ende des Buches übt Barbusse scharfe Kritik an der Verbreitung des Kapitalismus und des Faschismus: diese hätten Schuld an der Situation. Er schlägt eine Lösung vor: Die Gründung von Verteidigungskomitees. 

AutorIn: unbekannt