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Sigmund Freud: Die Taumdeutung (1900)

Das 1900 veröffentlichte Buch „Die Traumdeutung“ ist einer der grundlegenden Texte Sigmund Freuds, in denen er seine Prinzipien der Psychoanalyse entwickelt. Freud meint darin, dass die Traumdeutung ein Weg sei, um das Unbewusste im Seelenleben aufzudecken. Er gibt einen Überblick über seine psychoanalytischen Ideen: zum Beispiel über das Wirken der Verdrängung, den Kampf zwischen Begierde und Abwehr oder den Ödipuskomplex, den er allerdings noch nicht so bezeichnet.

Am Anfang des Buches zählt Freud die bereits erschienenen Werke über Träume auf, u.a. philosophische Abhandlungen und psychologische Monographien. In den darauffolgenden Kapiteln erläutert er seine Traumtheorie. Im Anschluss daran deutet er die verschiedenen Arten von Träumen und forscht nach ihren Ursachen in der Vergangenheit.

Im Volksaberglauben ahnte man bereits, dass Träume eine Bedeutung haben, die durch die Entschlüsselung der darin vorkommenden Traumsymbole Sinn erhalten würden. Freud entwickelte in seiner „Traumdeutung“ ein neues Verfahren, von dem er glaubte, dass es der einzige Weg sei, Träume richtig zu deuten. Er empfiehlt die von Josef Breuer entwickelte kathartische Methode. Ausgangspunkt für die freie Assoziation sollte der Traum sein, mit dessen Hilfe die Bedeutung des Traums enthüllt werden sollte.

Den Traum sieht Freud als Symptom für etwas. Dabei unterscheidet er den manifesten Traum, an den sich der Träumer nach dem Erwachen mehr oder weniger gut erinnern kann, und den latenten Traumgedanken, der der Entschlüsselung Bedarf. Aber im Traum wirkt auch Zensur. Der manifeste Traum ist das, was die innere Zensur an die Oberfläche treten lässt, der latente Traumgedanke bleibt jedoch verschlüsselt. Träume sind nach Freuds Auffassung verschlüsselte Hinweise auf einen Konflikt zwischen den Wünschen und Verboten. Es entsteht im Traum ein Gegensatz zwischen den Trieben, die Befriedigung verlangen, und den gesellschaftlichen Normen, die eine Erfüllung verhindern. Träume bedienen sich zwar des letzten Tagesgeschehens, aber in ihnen geht es um grundlegende Probleme, die in der Vergangenheit liegen, oft in der Kindheit.

Die Traumarbeit besteht laut Freud darin, unterdrückte Triebe und unangenehme Erinnerungen in eine harmlose Geschichte zu verwandeln, um diese äußern zu können. Der Traumdeuter hat die Aufgabe eines Übersetzers oder Dechiffrierers, der das Bilderrätsel Traum durch Ersetzen eines jedes Bildes durch ein Wort löst. Die Mittel, die der Traumdeuter dafür heranziehen kann, sind Verdichtung, Verschiebung und Rücksicht auf die Darstellbarkeit. Traumsymbole spielen in der ersten Auflage der „Traumdeutung“ noch keine große Rolle, erst in den darauffolgenden, erweiterten Auflagen.

Freud wendet in seinem Werk verschiedene Strategien an, um die Leser von seinen Theorien zu überzeugen. So nimmt er Kritikern durch die Vorwegnahme ihrer Argumente bereits mögliche Einwände aus der Hand. Seine Beispiele stützen die Behauptungen und durch literarische Anspielungen auf Shakespeare, Goethe oder Heine wird die Lektüre aufgelockert. Neben Berichten über die Träume seiner Patienten zieht Freud ebenfalls eigene Träume zur Erläuterung seiner Theorien heran. So berichtet er unter anderem von einer Episode, wie er im Alter von sieben oder acht Jahren im Schlafzimmer seiner Eltern urinierte und sein Vater daraufhin zu ihm sagte, dass aus ihm nie etwas werden würde. In den folgenden Auflagen erweiterte Freud sein Werk um immer neue Beispiele und Argumente. Die zweite Auflage erschien 1909.

von Nadine Kupfer

Literatur

Gay, Peter: Freud. Eine Biographie für unsere Zeit. S. Fischer Verlag GmbH. Frankfurt am Main. 1989. (Originalausgabe: Gay, Peter: Freud; A life for Our Time. Verlag W. W. Norton & Co. New York. 1987.)