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Bertha von Suttner: Die Waffen nieder! (1889)

Aufgewachsen im aristokratischen Umfeld der österreichisch-ungarischen Monarchie mit ihrem militärischen Hintergrund, deren Offiziere es als höchstes Glück und Lebensziel empfanden, für ihre Fürsten auf dem „Felde der Ehre“ kämpfen zu dürfen, hat Bertha von Suttner (1843-1914) schon als junge Frau sich selbst und anderen die Frage gestellt, ob die Menschen nicht zu Besserem fähig seien, als Krieg zu führen.
Basierend auf dieser politischen Grundeinstellung entstanden mehrere ihrer Schriften, Romane und Novellen. Ihr 1889 veröffentlichter Roman Die Waffen nieder! ist einer dieser pazifistischen Appelle und zu einem der größten Bucherfolge des 19. Jahrhunderts geworden. Anerkennende Zuschriften erhielt sie u. a. von Berühmtheiten der Zeit wie Alfred Nobel und Lew Tolstoj. Autobiographisch wird die Geschichte der Adligen Martha Althaus erzählt, deren Schicksal durch Kriege maßgeblich bestimmt wird: Bei Solferino in Oberitalien fällt 1859 ihr erster Ehemann. In den Kriegen Österreichs und Preußens gegen Dänemark (1864) und im österreichisch-preußischen Krieg (1866) bangt die Protagonistin Martha um das Leben ihres zweiten Mannes, welcher schließlich 1870 in Paris von französischen Nationalisten erschossen wird.
Bertha von Suttner wies in ihrem Werk mit aller Deutlichkeit auf die zerstörerische Gefahr eines Krieges und seiner Folgen hin und bezog eine klare politische Stellung für den Frieden. Sie wurde zu einer der prominentesten Vertreterinnen der Friedensbewegung des 19. Jahrhunderts. Von Suttner traf mit ihrem Roman den Nerv der Zeit, denn die damalige Gesellschaft führte eifrige Diskussionen über Militarismus und Krieg. Aber sie erhielt nicht nur Zuspruch; sie wurde auch angefeindet.
Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit engagierte sich Bertha von Suttner auch aktiv für die Verbreitung ihres Friedensgedankens in Organisationen. 1892 gründete sie die Deutsche Friedensgesellschaft, welche sofort großen Zuspruch erhielt, und nahm in der Folge an mehreren internationalen Friedenskongressen teil, wobei sie ihre Intention, den Frauen ihrer Zeit mehr Eigenverantwortung und Selbständigkeit zukommen zu lassen, beispiellos in ihren Auftritten vor dem meist männlichem Publikum demonstrierte.
1905 wurde sie als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet und gilt somit auch heute, noch fast 100 Jahre nach ihrem Tod, als Ikone der Friedens- und Frauenbewegung, deren Gedankengut das friedenspolitische Handeln maßgeblich beeinflusste.

von Bettina Böttcher 

Literatur und Links

von Suttner, Bertha: Die Waffen nieder!. Hildesheim 1966.
Biedermann, Edelgard: Erzählen als Kriegskunst. Die Waffen nieder! Von Bertha von Suttner. Stockholm 1995.
Kleberger, Ilse: Die Vision vom Frieden – Bertha von Suttner. Berlin 1985.
Bertha von Suttner auf www.friedenspaedagogik.de
Wintersteiner, Werner: „Die Waffen nieder!“ – Ein friedenspädagogisches Programm?