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Karl Marx: Manifest/ Der 18. Brumaire (1924, zuerst: 1848/52)

Karl Marx (1818-1883), dessen Forderung nach Abschaffung des Kapitalismus Weltgeschichte gemacht hat, gehört zu den wohl bekanntesten Philosophen. Der Sohn eines vom Judentum zum protestantischen Christentum konvertierten Rechtsanwalts wurde besonders von den Schriften Hegels und Feuerbachs beeinflusst. Zu seinen bekanntesten Schriften gehören Das Kapital, Das kommunistische Manifest und Die deutsche Ideologie.
Das 1848 erschienene Manifest der kommunistischen Partei entwickelt die Idee der Überwindung des Kapitalismus durch die Aktion der Proletarier, das Privateigentum an den Produktionsmitteln abzuschaffen und an die Stelle der kapitalistischen Klassengesellschaft eine neue Gesellschaft zu setzen. Diese neue, klassenlose Gesellschaft, der Kommunismus, der für Marx aus der Logik der Geschichte entstehen wird, setzt eine radikale Umwälzung aller Verhältnisse durch den Kampf der Arbeiterklasse gegen das Kapital voraus.

Karl Marx' Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte in einer Ausgabe des Taifun Verlags von 1924
Karl Marx‘ Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte in einer Ausgabe des Taifun Verlags von 1924

Dass diese Entwicklung nicht zwingend ist, analysierte Marx in der 1852 erschienen Schrift Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte. Nach der Februarrevolution 1848 wurde Napoleon III. als Staatspräsident gewählt, verschaffte sich durch einen Staatsstreich 1851 diktatorische Vollmachten und ernannte sich ein Jahr später zum Kaiser. Marx sieht im Kräftegleichgewicht zwischen Proletariat und Bourgeoisie die Ursache dafür, dass Napoleon III. durch Wahlen, also demokratisch, die Herrschaft errungen hat. Überdies habe er den französischen Parzellenbauern seine demokratische Legitimation verdankt. Deren Bewusstsein sei mehrheitlich durch lokale Isoliertheit und niedriges Bildungsniveau geprägt. Sie seien unorganisiert und rückwärtsgewandt, hätten dem Namen Napoleon eine mythische Bedeutung verliehen und an diesen positive Erinnerungen geknüpft. Eine Klasse seien sie nicht und deshalb unfähig, ihre Interessen parlamentarisch zu vertreten. Alle Hoffnungen richteten sie auf den Diktator.
Marx konstatierte eine „Verselbständigung der Exekutivgewalt“, da Bonaparte seine Herrschaft auf die Armee und einen ausgebauten Polizeiapparat stützte, die die bürgerliche Besitzordnung vor dem Proletariat schützen und gleichzeitig dessen politische Macht unterdrücken sollte.
Der von Marx analysierte Bonapartismus mit seinem Führerkult und Militarismus sowie seiner aggressiven Wendung gegen die so genannte „rote Gefahr“ fand sich auch in den faschistischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts. August Thalheimer arbeitete in mehreren ab 1928 verfassten Aufsätzen diese Gemeinsamkeiten zwischen Bonapartismus und Faschismus heraus, die er besonders in der „Verselbständigung der Exekutive“ und der antagonistischen Verbindung von Unterwerfung und gleichzeitiger Förderung der Bourgeoisie feststellte.

von Jakob Warnecke

Literatur

Fetscher, Irving: Marx und der Marxismus, München 1967.
Flechtheim, K. Ossip / Lohmann, Hans-Martin: Marx zur Einführung, Hamburg 2000 .
Fromm, Erich: Das Menschenbild bei Marx. Frankfurt am Main 1980.
Kershaw, Ian: Der NS- Staat. Hamburg 1994.