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Felix Salten: Neue Menschen auf alter Erde (1925)

Titelseite von Felix Saltens "Neue Menschen auf alter Erde", erschienen 1925 beim Paul Zsolnay Verlag
Titelseite von Felix Saltens „Neue Menschen auf alter Erde“, erschienen 1925 beim Paul Zsolnay Verlag

Wie alle zionistischen Reisebeschreibungen hat auch diese die Errungenschaften der zionistischen Kolonisation zum Gegenstand. Hierbei bleiben der arabische Teil Palästinas sowie die Bedeutung des Landes für das Christentum weitgehend außen vor. Die Reisebeschreibung soll vielmehr beim Leser nationalen Stolz wecken oder stärken (vgl. Kaiser 1992, S. 95) und wird zur Illustration mit Bibelstellen unterlegt. Der Aufbau Palästinas ist hierbei eine nationale Angelegenheit und Garant für eine glückliche Zukunft des jüdischen Volkes. Denn durch die (Wieder-) Besiedlung werden aus den Siedlern „neue Menschen auf alter Erde“. Dieses Buch entstand auf dem Höhepunkt der zionistischen Expansion. Wie fast alle zionistischen Reisebeschreibungen wurde es von einem zionistischen (in jedem Falle aber jüdischen) Verlag veröffentlicht, dessen Zielpublikum die Anhänger und (potentiellen) Förderer der zionistischen Idee, aber auch die am Judentum interessierten nichtjüdischen Leser waren.
Salten beschreibt zwar seine Reise durch Palästina, nicht aber seine Reiseumstände. Vielmehr setzt er die zionistischen Bemühungen mit der Geschichte des antiken Judentums in Beziehung. Immer wieder werden in den ersten Kapiteln Teile des Alten Testaments eingewoben und die Erzählungen der Bibel im Hinblick auf die zionistische Idee aktualisiert. Weiterhin beschreibt er seine Reise und die unterwegs gemachten Bekanntschaften. Salten zeigt sich begeistert von den jungen Menschen in den Kooperativen und Kollektiven, die in der Erde wühlen, Marx lesen und Repliken von van Gogh an der Zeltwand hängen haben. Er lässt sich durch das Altstadtgewimmel Jerusalems treiben und ist vom Bau der Hebräischen Universität ebenso fasziniert wie von den Bazaren, von den arabischen Frauen ebenso wie den demütigen Ghettojuden (vgl. Salten 1965, S. 129). Seine Reise endet in Haifa auf dem Berg Karmel und seine Beschreibung in einer Art Schlussplädoyer für die zionistische Idee: „Seid gesegnet ihr neuen Menschen auf der alten Erde“ (Salten 1965, S. 276).

 

von Nadja Voigt

Literatur

Salten, Felix: Neue Menschen auf alter Erde. Eine Palästinafahrt. Paul Zsolnay Verlag, Berlin 1965.
Riedmüller, Kurt: Felix Salten als Mensch, Dichter und Kritiker, Wien 1949 (Diss.).
Ehneß, Jürgen: Felix Saltens erzählerisches Werk, Frankfurt/ Main 2001.
Kaiser, Wolf. Palästina – Erez Israel, Hildesheim 1992.