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Gustav Regler: Wasser, Brot und blaue Bohnen (1932)

Gustav Reglers "Wasser, Brot und blaue Bohnen", 1932 beim Neuen Deutschen Verlag und der Universums Bücherei für alle erschienen
Gustav Reglers „Wasser, Brot und blaue Bohnen“, 1932 beim Neuen Deutschen Verlag und der Universums Bücherei für alle erschienen

Als der Roman Wasser, Brot und blaue Bohnen im Mai 1933 von den Nationalsozialisten verbrannt wurde, befand sich der 1898 in Merzig geborene Autor Gustav Regler bereits im französischen Exil, denn als Mitglied der KPD musste er nach dem Reichtagsbrand im Februar 1933 mit Verfolgung rechnen. Im Exil engagierte er sich bis 1939 im (sozialistischen) Kampf gegen das Hitler-Regime: er war Mitarbeiter am Braunbuch über Reichtagsbrand und Hitler-Terror, Mitbegründer des SDS, Mitglied der Internationalen Schriftstellervereinigung zur Verteidigung der Kultur und wurde 1936 als Kommissar der 12. Brigade Spanienkämpfer. In dieser Zeit erschienen seine Romane: Der verlorene Sohn (1933), Im Kreuzfeuer (1934) und Die Saat (1936). Unterbrochen wurde sein Engagement 1939 durch seine Internierung im südfranzösischen Gefangenenlager Le Vernet. Dort kam es zum politischen Gesinnungswandel Reglers, der – bestätigt durch den Hitler-Stalin-Pakt im August 1939 – mit der Kommunistischen Partei brach. Im nächsten Exilland Mexiko versuchte er sich in einer betont unpolitischen literarischen Arbeit an seinen Mexiko-Büchern: Amimitl oder die Geburt eines Schrecklichen (1947), Vulkanisches Land. Ein Buch von vielen Festen und mehr Widersprüchen (1947) und Verwunschenes Land Mexiko (1954). Doch nicht nur die Enttäuschung über die Kommunistische Partei erschütterte ihn, sondern auch die Enttäuschung über seine Heimat Deutschland war so groß, dass er nie mehr dorthin zurückkehrte. Er starb 1963 in Neu Delhi.
Der 1932 zeitgleich in den beiden linken, parteinahen Verlagen Neuer Deutscher Verlag und Universums-Bücherei für Alle erschienene Roman Wasser, Brot und blaue Bohnen gibt Aufschluss über Reglers tiefe Überzeugung von der kommunistischen Idee. Der Zuchthausroman prangert die gesellschaftlichen Verhältnisse der späten Weimarer Republik an; er handelt vom „Krieg in Friedenszeiten“, vom „Kampf gegen den Kapitalismus“. Erzählt wird die Geschichte des arbeitslosen Berliners Gottfried Naumann, der auf seinem Weg über Hunger, Kälte, Straßenschlachten und Kriminalisierung wegen eines Raubüberfalls ins Gefängnis kommt. Gleichzeitig werden mit ihm ein „Politischer“, ein linker Journalist namens Gustav Rotter, und ein etwas naiver Bauernsohn, Jan Martens, inhaftiert. Aus Sicht dieser Personen wird der Gefängnisalltag geschildert, wobei das Gefängnis zum Sinnbild der gesellschaftlichen Missstände wird. Unter der Leitung Rotters kommt es schließlich zum Aufstand der Gefangenen. Beinahe scheint die Meuterei, und damit die Befreiung der Gefängnisinsassen, zu gelingen, als der Aufstand schließlich doch blutig niedergeschlagen wird. Naumann stirbt den Opfertod, als er einen Wächter erschießt und gleichzeitig tödlich getroffen wird, während Rotter als Einzigem die Flucht gen Osten „ins gelobte Land“ Russland gelingt.
Zur Intention seines Romans hat Regler selbst gesagt: „Sie fragen mich, welchen Zweck verfolgt Ihr Buch? Ich wollte die Wahrheit über unseren Strafvollzug sagen. […] Ich wollte den Schrei der gequälten Gefangenen in eine Welt brüllen, die immer nur verurteilt hat, statt zu erkennen. […] sie sind alle Opfer des Systems, das untergehen muß, besser heute als morgen.“

AutorIn: unbekannt

Literatur

Dokumentation Deutsche Literatur im Exil. Literatur und Dokumente der deutschen Emigration nach 1933. Wormser Ausstellung „verboten, verbrannt – verdrängt?“ mit Sonderschau: Das Saargebiet als Asylland 1933-1935. Gustav Regler – Leben und Werk, zusammengestellt von Karl-Heinz Danner, hrsg. von der Fachrichtung Germanistik und der Pressestelle der Universität des Saarlandes, Saarbrücken 1974.

Regler, Gustav: Am Vorabend der Autodafés, in: Die Neue Weltbühne, 1934, H. 19, S.595- 599. Wieder abgedruckt in: Schöffling, Klaus (Hrsg.): Dort wo man Bücher verbrennt, Frankfurt a. M. 1983.

Regler, Gustav: Werke, hrsg. von Gerhard Schmidt-Henkel und Ralph Schock unter Mitarbeit von Günter Scholdt, Bd. 1-11, Basel/ Frankfurt a. M. 1994.

Scholdt, Günter: Gustav Regler. Odysseus im Labyrinth der Ideologien. Eine Biographie in Dokumenten, in: Schriften der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek, Band 4, hrsg. von Bernd Hagneu, St. Ingbert 1998.

Stern, Guy: „Und im Herzen bin ich bei Paris.“ Gustav Regler zwischen zwei Erdteilen, in: Sauveur- Henn, Anne (Hrsg.): Zweimal verjagt: die deutschsprachige Emigration und der Fluchtweg Frankreich – Lateinamerika, Berlin 1998.